Analyse: Warum Helge Achenbach sieben Jahre Haft drohen

Analyse : Warum Helge Achenbach sieben Jahre Haft drohen

Rund eine Stunde dauerte das Plädoyer der Staatsanwaltschaft Essen gegen den Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach am Donnerstag. Das sind die Knackpunkte.

Er kannte dutzende wichtiger Künstler persönlich. Der frühere Sozialarbeiter arbeitete für viele große Konzerne wie auch Volkswagen oder Ergo. Er knüpfte Kontakte rund um die Welt. Er machte Geschäfte in Höhe von vielen hundert Millionen Euro. Er war früher Präsident von Fortuna Düsseldorf und beliebter Gast vieler Veranstaltungen im Rheinland. Doch bei der Verlesung des Plädoyers wegen schweren Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung am Donnerstag, 26. Februar, saß abgesehen von den Journalisten nicht einmal ein halbes Dutzend Zuschauer im Raum.

Staatsanwältin Valeria Sonntag trug konzentriert ihr Resümee über Schuld und Unschuld eines der früher erfolgreichsten Kunstmanagers Europas in nüchterner Sprache vor. Sie sprach stehend in das Mikrofon des Gerichtssaals. Das Plädoyer las sie überwiegend von einem maschinengeschriebenen Manuskript ab.

Wir erläutern, warum Frau Sonntag eine so hohe Haftstrafe als Ergebnis von 14 Verhandlungstagen vor dem Essener Landgericht forderte. Wir schildern, wie sie mehrere Verteidigungsargumente von Achenbach als ihrer Meinung nach unglaubwürdig zerpflückte.

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Am 11. März wird nun noch die Verteidigung ihr Plädoyer zu Gunsten des angeklagten Familienvaters und früheren Sozialarbeiters halten. Das Landgericht unter Vorsitz von Johannes Hidding wird dann am 16. März die Entscheidung verkünden. Es könnte eine deutlich niedrigere Strafe als nun beantragt festlegen, ein Freispruch ist aber ausgeschlossen. Achenbach sitzt wegen dringenden Tatverdachts und Fluchtgefahr seit Juni in Untersuchungshaft — er hat teilweise gestanden.

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Höhe des Schadens und Zahl der Taten

Hauptgrund für die hohe geforderte hohe Strafe ist der Schaden von mehr als 20 Millionen Euro bei mehr als 20 Taten mit drei Geschädigten inklusive des Hauptgeschädigten Berthold Albrecht, der 2012 gestorben ist. Achenbach ging nach Überzeugung von Frau Sonntag nach einem einheitlichen Muster vor: Er habe dem Aldi-Erben Berthold Albrecht sowie den zwei anderen zwei wohlhabenden Geschädigten wie dem Milliardär Christian Boehringer jeweils gesagt, er könne für sie Kunst (im Fall von Albrecht auch Oldtimer) günstig erwerben, weil er das Geschäft verstehe und gut einkaufen könne.

Doch statt sich mit den vereinbarten prozentualen Provisionen von fünf Prozent für Kunstwerke und drei Prozent für Autos zufrieden zu geben — was sowieso mehr als vier Millionen Euro brachte —, habe Achenbach systematisch mit falschen Angaben, Fälschungen sowie über Scheingeschäfte mehr 20 Millionen Euro zusätzlich kassiert. Das geschah, indem er laufend falsche Einkaufspreise abrechnete. "Der Angeklagte hat von Anfang an gegenüber Berthold Albrecht betrügerisch gehandelt und hat diese Masche dann bei allen anderen Geschäften gegenüber den beiden anderen Geschädigten genutzt", sagt Frau Sonntag. Dabei habe er "erhebliche kriminelle Energie" bewiesen.

Frau Sonntag vermutet fast schon verständnisvoll, dass Achenbach die Millionen aus den Kunst- und Autogeschäften brauchte, um seine am hohen Verlusten leidende Düsseldorfer Restaurantkette "Monkey's" zu subventionieren. Ansonsten findet sie aber harte Worte: "Offenbar verlor er die Bodenhaftung und wurde in seinem ungezügelten Streben nach Profit kriminell."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kunstberater und Ex-Fortuna-Präsident: Das ist Helge Achenbach

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