1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Warum Hape Kerkeling so beliebt ist

Buch-Präsentation in Düsseldorf : Warum Hape Kerkeling so beliebt ist

Der 49-jährige Komiker stellte in Düsseldorf seinen Memoiren-Band "Der Junge muss an die frische Luft" vor.

In Düsseldorf konnte man am Mittwoch erleben, wie dankbar die Menschen sind, wenn ihnen jemand aus der Seele spricht. Hape Kerkeling trat in der Mayerschen Buchhandlung auf, und bereits zwei Stunden vor Beginn der Lesung standen die Leute in Massen für die knapp 250 Plätze an. Kerkeling trug aus seinem Memoirenband "Der Junge muss an die frische Luft" vor. Darin erzählt er vom Selbstmord der Mutter. An einem Abend im Sommer 1973 legte sie sich hin zum Sterben. "Du kannst so lange fernsehen, wie du willst", sagte sie dem Achtjährigen noch. "Das waren ihre letzten Worte an mich. Keine Umarmung. Kein Kuss."

Fast jeder im Raum kannte diese Stelle. Umso größer waren die Rührung und das Einverständnis bei Sätzen wie diesem: "Jeder Lebensroman ist einmalig, und allein diese Tatsache macht ihn bedeutsam." Kerkeling stellt seine Erfahrungen zur Verfügung. Er drängt sich nicht auf, sondern bietet an: So war es bei mir. Das Vorgänger-Buch "Ich bin dann mal weg" funktionierte ebenso. Der Text gab sich als Bericht von einer Wanderung auf dem Jakobsweg. Aber im Kern war er ein Essay über die Aktualität von Demut, Glaube und Hilfsbereitschaft.

Kerkeling verzichtet auf Sarkasmus, seine Komik ist warmherzig. Er führt nie vor, er umarmt. Selbst eine Figur wie Horst Schlämmer ist mehr Familienmitglied als Karikatur. Dieser Humor ist voller Respekt, eine Form der Zuneigung. Und wie einflussreich der 49-Jährige ist, dokumentiert jeder Tag im Büro: so viele Kollegen, die sich mit "Ich bin dann mal weg" in den Feierabend verabschieden oder "Ich hab Rücken" sagen, wenn es schmerzt.

Als Kerkeling das Publikum bat, Fragen zu stellen, setzten viele denn auch lieber Ausrufezeichen: "Danke für die schönen Figuren, die Sie erfunden haben!" Und: "Danke für das, was Sie getan haben!" Und: "Danke für all den Spaß!"

Die Leute erlebten einen gelassenen Mann, über dessen Kopf keine Wolke von Traurigkeit stand. Kerkeling berichtete, dass er als Kind Witze machte, um die depressive Mutter aufzuheitern. Er wollte mit Scherzen Leben retten, dem Schicksal die Show stehlen. Es misslang, aber die Kalauer funktionierten als Abwehrzauber gegen die Schwermut. Er schreibt, dass er nach der Beerdigung beschloss, aus seinem Leben ein Fest zu machen.

Vielleicht ist das seine Botschaft: Die Menschen tun komische Dinge. Aber es ist schön, dass es sie gibt.

(RP)