Quadriennale in Düsseldorf Violette Fahnen zum Auftakt

Düsseldorf · Musik erklang von Dächern und aus Gullys. Kunstinteressenten strömten gleich zu Hunderten in die Ausstellungen.

Prominenz bei der Eröffnung der Quadriennale
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Prominenz bei der Eröffnung der Quadriennale

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Seit Wochen, eigentlich seit Monaten schon gibt es nur ein Thema in den einschlägigen Kunstkreisen. Jetzt wird bald jeder mitreden, fachsimpeln, Apps herunterladen, mit den Kindern Farbpigmente verrühren und Lieblingsbilder in favorisierten Museen benennen. Denn gestern wurde die Quadriennale eröffnet. Endlich können die Düsseldorfer und ihre Gäste in Augenschein nehmen, was verheißungsvoll als Marathon der Künste lila, flächendeckend und plakativ in der Landeshauptstadt angekündigt wird. Die meisten zogen, sofern sie keinen Fahrer hatten, mit dem Fahrrad los. Die Kunstroute zwischen Ehrenhof, Ständehaus und Schulstraße war fast zu Fuß zu schaffen, doch längst nicht jeder will sich alles ansehen.

Ehrenhof Einen kleinen Staatsakt gab es am Nachmittag im NRW-Forum, das nur noch seinen Namen, nicht aber sein Programm herübergerettet hat in das große Kunstfest der Stadt Düsseldorf. Die Quadriennale gibt in Werner Lipperts ausrangiertem Kunst-Hotspot ein Gastspiel mit dem Filmmuseum. Lippert selbst war verständlicherweise nicht vor Ort. Einige hundert geladene Gäste strömten zum lockeren Beisammensein mit Reden, Getränken und italienischen Häppchen. Die Kulturszene und der Stadtrat waren gut vertreten. Olafur Eliasson war der prominenteste Künstler unter den Gästen. Der dänisch-isländische Künstler kam aus Brüssel zur Eröffnung seiner Arbeit in der Kunstsammlung. Die Düsseldorfer Stars waren unterrepräsentiert.

Aus allen Kulturrevieren waren die leitenden Personen gekommen wie Michael Becker (Tonhalle), Robert Fleck (Kunstakademie) und Michael Kortländer ("Die Große"). Dazu gesellten sich Galeristen, der Buchhandel und die Institutsleiter: Zu Gregor Jansen (Kunsthalle) stießen Hans-Jürgen Hafner (Kunstverein) und Gertrud Peters vom KIT, die im Anschluss zum Damencocktail geladen hatte. Monika Schnetkamp vom Kai 10 war da wie Petra Schäpers (Dorotheum) und Karla Zerressen mit Sabine Crasemann-Langen (Langen Foundation). Vom Museum Kunstpalast brachte Generaldirektor Beat Wismer seinen Geschäftsführer Harry Schmitz mit, die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen war mit Direktorin Marion Ackermann und Geschäftsführer Hagen Lippe-Weißenfeld vertreten.

Es gab keine allzu langen Reden. Mit ähnlichen Worten wie kürzlich bei der Kunstpreisverleihung an Katharina Fritsch lobte Oberbürgermeister Dirk Elbers seine Stadt und deren Engagement für die Kunst. Andere würden Düsseldorf auch wegen dieser reichen Museumslandschaft beneiden, sagte der OB. Die 4,2 Millionen Euro, die aus dem Stadtsäckel für die Quadriennale fließen, betrachte er als gute Anlage. Die 13 Häuser und ihre Leiter hätten professionell zusammengearbeitet unter der Geschäftsführung von Angela Eckart-Schweizer und Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Er schloss optimistisch: "Gehen Sie mit uns auf eine packende Zeitreise über das Morgen hinaus!" Sogleich begannen die individuellen Expeditionen.

Medienhafen Wer sich in den vergangenen Tagen über das lila Klebeband gewundert hatte, das in Bäumen, an Litfasssäulen und überhaupt überall im Stadtgebiet zu sehen ist, war beruhigt: Das ist Kunst. Studenten der Kunstakademie haben die Signalfarbe der Quadriennale großzügig verteilt. Die Bushaltestelle "Rheinturm" im Hafen etwa ist großzügig eingesponnen, und gestern diente sie auch als Hintergrundmotiv für Smartphone-Fotos. Ein paar Meter von der Haltestelle entfernt liegt der Ausstellungsraum Kai 10. An der Hafenseite des Gebäudes hat man die Neonplastik "Angst" des Künstlers Ludger Gerdes gehängt. Sie zeigt eine Kirche, einen Golfspieler und eben das Wort Angst. Man dachte sich wohl, das würde gut zu Düsseldorf passen. Sehr schön jedenfalls, dass jemand ein Halteverbotsschild darunter aufgestellt hatte.

Grabbeplatz Am Grabbeplatz war die Zukunft lila, und sie klang auch so. Der Klangkünstler Rochus Aust hatte eine Symphonie der Zukunft komponiert, sie in die Klangsprache von heute zurückübersetzt und auch noch ein Instrument erfunden: das Quadraphone. Diese gewaltige Tröte blies gestern Abend eine Fanfare vom Dach der Kunstsammlung, die zu diesem Anlass in lilafarbenes Licht getaucht wurde. Die Zukunft hörte sich gut an, darüber herrschte Einigkeit unter den Versammelten. Charmant ist auch die Idee, 40 Gullydeckel im Umkreis des Grabbeplatzes mit Miniatur-Quadraphonen auszustatten. Unter den Deckeln waren mp3-Spieler angebracht. So wurde Quadriennale-Besuchern der Weg von Museum zu Museum per Klang gewiesen.

Party Punkt 22 Uhr mussten alle Häuser schließen, denn dann war die große Party angesagt, pardon: verordnet. Wieder ist das NRW-Forum Austragungsort statt Akteur.

(RP)