Eklat im Düsseldorfer Schauspielhaus: Vier Experten verlassen Kommission für Intendantensuche

Eklat im Düsseldorfer Schauspielhaus : Vier Experten verlassen Kommission für Intendantensuche

Nachdem Bewerbernamen bekannt geworden sind, haben vier Experten die Findungskommission verlassen. Eine neue soll es nicht geben.

Nun ist der schlimmste Fall eingetreten: Möglichst fair und ergiebig wollten die Gesellschafter des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Stadt und das Land NRW, einen neuen Intendanten für die größte Bühne des Landes gewinnen und setzten daher eine elfköpfige Findungskommission ein. Externe Theaterfachleute und Vertreter aller politischen Beteiligten sollten gemeinsam den besten Kandidaten für den anspruchsvollen Posten finden.

Doch nun haben die externen Experten ihre Aufgaben in der Kommission mit sofortiger Wirkung niedergelegt. In einem offenen Brief erklärten der Intendant der Ruhrtriennale, Heiner Goebbels, die Leiterin des Berliner Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, der Verlagsleiter von Theater der Zeit, Harald Müller, und der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, sie stünden für die weitere Arbeit des Gremiums nicht mehr zur Verfügung.

Als Grund geben sie an, dass nach der letzten Sitzung der Kommission am 10. April die Namen einiger Bewerber um den Intendantenposten bekannt geworden waren. "Das beschädigt nicht nur die in der Veröffentlichung erwähnten Kandidatinnen und Kandidaten. Auch alle weiteren geplanten Gespräche werden sabotiert, wenn für die Gesprächspartner die Vertraulichkeit nicht mehr gesichert ist", heißt es in dem Offenen Brief, der an den Leiter der Findungskommission, Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU), gerichtet ist.

Die Unterzeichner gehen allerdings noch einen Schritt weiter. Sie beklagen sich nicht nur über den Umgang mit vertraulichen Informationen, sondern vermuten dahinter lokalpolitische Interessen. "Wenn durch diese Indiskretionen die Kommissionsarbeit gesprengt werden soll, mag das vielleicht mittelfristig den Status quo des Düsseldorfer Schauspielhauses verlängern, wir stehen dafür nicht zur Verfügung", heißt es in dem Offenen Brief. Die Formulierung legt die Vermutung nahe, dass es in der Kommission unterschiedliche Positionen dazu gab, wie lange der "Status quo", also die Interimsintendanz von Manfred Weber am Schauspielhaus, noch dauern könnte — mit welchem Druck also ein neuer Chef für das Theater gefunden werden muss. Eigentlich soll der neue Kandidat sein Amt zur Spielzeit 2014 antreten. Allerdings hatte es Überlegungen gegeben, die Suche auch für einen späteren Zeitpunkt zu öffnen, sollte ein gewünschter Kandidat so kurzfristig nicht zu Verfügung stehen.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Elbers reagierte auf den Angriff seinerseits mit einem Offenen Brief. Die Idee, eine Findungskommission mit externen Theaterexperten zu gründen, sei ausdrücklich sein Wunsch gewesen, so Dirk Elbers. Die Vermutung, man wolle lokalpolitische Interessen gezielt lancieren, um möglicherweise "den Status quo" des Düsseldorfer Schauspielhauses zu verlängern, weise er entschieden zurück.

NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD), die selbst Mitglied der Findungskommission ist, erklärte sofort nach Bekanntwerden des Rückzugs der Experten, sie bedauere diesen Schritt, habe dafür aber "großes Verständnis". Als einige Namen von Bewerbern in der vergangenen Woche öffentlich geworden waren, hatte sich die Ministerin bereits in einem Brief an die Mitglieder der Findungskommission gewandt und darin zum Ausdruck gebracht, wie verärgert und betroffen sie über das Bekanntwerden der Namen sei.

In ihrer aktuellen Stellungnahme zum Rückzug der Experten äußert sie sich auch zu den Hintergründen des Eklats: "Es gibt offenbar Kräfte, die nicht wollen, dass gemeinsam mit unabhängigen Fachleuten ergebnisoffen nach der bestmöglichen Lösung für das Düsseldorfer Schauspielhaus gesucht wird", heißt es da. Auch wenn die Ministerin lokalpolitische Interessen nicht explizit erwähnt, scheint es einen tiefen Dissens zwischen Land NRW und Stadt Düsseldorf über Ablauf und Vergabe des Intendantenposten zu geben.

Mit dem Rückzug der externen Berater ist das Kommissionsverfahren in Düsseldorf auch insgesamt gescheitert. Das erklärten Ministerin Schäfer und Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (CDU) einhellig. "Stadt und Land werden nun gemeinsam überlegen, wie sie weiter vorgehen wollen", sagte Lohe. Eine neue Kommission werde man aber nicht mehr berufen. Ute Schäfer forderte, dass der Aufsichtsrat des Schauspielhauses nun zügig zu einer Sondersitzung zusammentreten müsse.

Nach dem plötzlichen Rücktritt des früheren Intendanten Staffan Valdemar Holm wegen eines Burn-outs muss das Düsseldorfer Schauspielhaus nun also einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Die Landeshauptstadt gilt in Theaterkreisen ohnehin als undankbarer Theaterstandort. Dieses Bild dürften die jüngsten Querelen eher gefestigt haben.

(RP/jco/EW)