Düsseldorf: Viel gewagt und alles gewonnen

Düsseldorf: Viel gewagt und alles gewonnen

Die Geigerin Julia Fischer gastierte mit ihrem Quartett in der Tonhalle und spielte Beethoven, Janáek und Schubert.

Das Julia-Fischer-Quartett arbeitet anders als die meisten Quartett-Formationen. Während sich deren Mitglieder in der Regel voll und ganz dem Ensemble widmen, hat hier jeder der vier Mitt- bis Enddreißiger ein Leben und eine Karriere jenseits der Gruppe. Julia Fischer (1. Violine), Alexander Sitkovetsky (2. Violine), Nils Mönkemeyer (Viola) sowie Benjamin Nyffenegger (Violoncello) sind gefragte Solisten. Fischer und Mönkemeyer treffen sich außerdem noch als Professoren-Kollegen an der Münchner Musikhochschule.

Dieses All-Star-Quartett gab nun ein Konzert in der Tonhalle. Man konnte erleben, dass sie trotzdem einander wunderbar vertrauen, aufeinander hören, miteinander Musik machen, Kammermusik - und das schon seit immerhin elf Jahren. Wenn zwei Stimmen bei Beethovens Quartett in Es-Dur op. 74 ("Harfenquartett") zusammen eine Achtelbegleitung spielten, pochte der Rhythmus wie aus einem Guss. Bei den Pizzicato-Girlanden, die sich durch die Stimmen zogen, konnte man glauben, sie kämen von einem einzigen Instrument. Dabei gab es teilweise irrwitzige Tempi. Im Fortissimo erlaubte man sich schon mal einen rauen Bogenansatz, wagte viel und gewann alles.

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Mit allergrößter Intensität schloss sich Janáeks Streichquartett "Kreutzersonate" an. Die Musiker hoben das Zerklüftete der Komposition hervor, die Soloeinwürfe zwischen den romantischen Akkorden und lyrischen Linien verbreiteten plötzlich eisige Kälte. Das Quartett hob das Moderne der Komposition hervor. Vor schierem druckvollen Spiel hingen etliche Haare von Mönkemeyers Bogen in Fetzen.

Gelassener ging das Quartett Schuberts "Rosamunde"-Komposition an. Schubert, der Melodiker schlechthin, ließ seinen vielen Melodien aus dem Geist der Volksmusik in seinen himmlisch langen Sätzen Zeit, sich zu entfalten. Die Musiker nutzten zwar die Steigerungsmöglichkeiten der Partitur, lauschten aber mehr nach innen, damit sich die Musik im Gruppenprozess entwickeln konnte. Daran durften die Zuhörer in der gut gefüllten Tonhalle teilhaben. Es war beglückend.

(RP)