Gastro-Tipp: Urlaubs-Gefühle im Innenhof

Gastro-Tipp : Urlaubs-Gefühle im Innenhof

Zum Gastronomie-Mix des Andreas Quartiers gehört die 20 Grad Restobar. Geboten werden Tapas und andere Spezialitäten in schöner Atmosphäre.

Wenn ihnen hier etwas spanisch vorkommt, dann läuft vermutlich alles nach Konzept. Die 20 Grad Restobar setzt auf eine spannende spanische Küche ebenso wie (nicht nur) auf spanischen Wein und eine Terrasse nach spanischem Vorbild im Innenhof (Patio). Wer sich nach Mallorca sehnt, kann im Restaurant mit den meeresblauen Wänden und den Bildern und alten Karten von der Insel reichlich Atmosphäre atmen. Vor dem Eingang, der unter Straßenniveau liegt, gibt es ebenfalls Außentische, die im ersten Sommer des Lokals ein beliebter Treffpunkt werden könnten - das Treiben der Altstadt lässt sich von hier hübsch begutachten.

Essen kann man dabei übrigens auch, und zwar ausgesprochen gut. Die Kleinigkeiten umfassen neben den Tapas auch die so genannten Cocas: spanische Blechkuchen mit verschiedenen Belägen, die bereits in Stücke geteilt serviert werden und damit ebenso gut wie die Tapas unter mehreren Essern aufgeteilt werden können. Köstliche Kleinigkeiten sind etwa die Knoblauchgarnelen mit Serrano (14 Euro), die Kroketten gefüllt mit feinstem Schinken (8,50 Euro) oder mit Schmorfleisch (7,50 Euro) sowie das iberische Secreto mit Mojo (12 Euro). Dieses in der spanischen Küche berühmte Schweinefleisch-Stück aus dem Bereich zwischen Rücken und Rückenspeck ist zart und gilt dank seiner starken Marmorierung als besonders saftig.

Alle Speisen überzeugen uns durch ihre ebenso intensiven wie differenzierten Geschmacksnuancen, jedes Gericht hat Charakter. Auch tendenziell einfachere Speisen wie das Brot mit Tomaten und Öl können voll überzeugen, beispielsweise in der Variante mit halbgereiftem Mahones-Käse (9 Euro). Der salzig-würzige Käse ist übrigens nach der Hauptstadt der Insel Menorca benannt. Die Portionen sind nach gängigen Tapas-Maßstäben nicht übertrieben üppig, aber in Ordnung.

Wem das Tapas-Prinzip des Teilens weniger Freude bereitet - bei so leckerem Essen kann schon mal Streit um die letzte Krokette ausbrechen - für den stehen auch viele Hauptgerichte auf der Karte, beispielsweise die Cannelloni gefüllt mit Kalbsbäckchen (18 Euro) oder die konfierte Schulter vom spanischen Lamm (24 Euro). Eine besonders sättigende Spezialität sind die Huevos Rotos (Kartoffeln mit Ei), die es auch in einer vegetarischen Variante mit Paprika gibt.

Mittags bietet das Restaurant inzwischen für 15 Euro ein Lunch-Menü an. Der Salat war schlicht, knackig und frisch. Als Hauptgericht wählten wir das spanische Lamm mit Orangen-Couscous, das eine perfekte Balance zwischen Würze und Frische bot; die Pasta mit Meeresfrüchten war ebenfalls gut, die Portion üppig. Am Zitronensorbet zum Dessert schieden sich die Geister - der eine fand's rundum köstlich, die andere hätte sich zum sauren Sorbet die Beerenfrüchte etwas süßer gewünscht. Mittags ließ die Küche uns auch etwas länger warten, der Service blieb aber herzlich und zuvorkommend, wie er auch abends unterwegs war.

Dass die Speisen in Auswahl und Zubereitung so authentisch sind, dürfte im Wesentlichen der prominenten Küchenchefin Maca de Castro zu verdanken sein, die bereits als 23-Jährige die Chefköchin des mallorquinischen Restaurants Jardin wurde und mit diesem 2012 einen Michelin-Stern erhielt. Sie betreibt es übrigens immer noch und pendelt mit einigem Kraftaufwand - aber offenbar ungebrochener Freude und Kreativität - zwischen ihren Arbeitsplätzen.

(RP)