Unterzeichner der Erklärung der Vielen setzen Zeichen gegen Rassismus.

Kunst gegen Diskriminierung: „Wir sind Viele, jeder Einzelne von uns“

Kunst- und Kulturschaffende sprechen sich mit der „NRW-Erklärung der Vielen“ gegen Rassismus und Rechtsextremismus aus.

„In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht.“ Die „NRW-Erklärung der Vielen“ stellt direkt zu Beginn klar, was nicht erneut passieren darf. Am Freitagmorgen versammelten sich Kunst- und Kulturschaffende im Düsseldorfer Schauspielhaus, um sich offen gegen Rassismus und Rechtsextremismus auszusprechen. Unter dem Motto „Wir sind viele, jeder einzelne von uns“ kamen zeitgleich unter anderem auch in Berlin, Hamburg und Dresden Vertreter von Kultureinrichtungen zu der bundesweiten Aktion zusammen.

„Das Interessante an der Kunst ist, dass sie schon immer auf der Seite der Verfolgten steht“, sagt Wilfried Schulz, Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses. Er wolle die Kulturstätten als Orte des gemeinsamen Diskurses anbieten. Das Ziel müsse sein, die ganze Komplexität der Gesellschaft abzubilden. Gelingen könne dies nur, wenn Gleichberechtigung und Vielfalt in allen Bereichen der Kunst gelebt werde. „Das sind die drei ,P’ – Programm, Publikum und Personal“, sagt Schulz.

In den letzten Jahren sei es ganz normal gewesen, dass Künstler und Darsteller international seien. „Die Form des unvoreingenommenen Miteinanders ist in der Öffentlichkeit aber nicht mehr vorhanden“, mahnt Bettina Masuch, Intendantin des Tanzhaus NRW. Rechtspopulisten versuchten zusehends in Programmpläne einzugreifen, gingen gegen internationale Darsteller vor und gegen die Kulturstätten, an denen sie spielen. Auch in Düsseldorf habe es in naher Vergangenheit einen Vorfall gegeben. So habe es Protest aus rechten Kreisen gegeben gegen die Aufführung des Schauspiels „Die Mitte der Welt“, weil darin Homosexualität thematisiert wird. „Auf Menschen zugehen, das ist die große Herausforderung unserer Zeit“, sagt Masuch.

Über 140 öffentliche Einrichtungen, freie Kulturorte, Festivals und Künstler haben die Erklärung bereits unterzeichnet, darunter zahlreiche Museen, Theater, Hochschulen und Galerien. „Es ist gut, dass wir uns zusammenschließen. Es gibt die Angst, dass sich die Geschichte wiederholt“, mahnt Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck-Museums, Duisburg. „Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wir müssen etwas dagegen tun, dass unsere Einrichtungen eine gewisse Sattheit haben“, fordert Dinkla.

Die Dringlichkeit eines solchen Bündnisses der Kulturschaffenden stellt auch Mirjam Schmuck in den Vordergrund. Die freie Künstlerin vom „kainkollektiv“ habe in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Einschränkungen erlebt. „Wir hatten eher Angst, dass wir zu spät sind“, sagt Schmuck. Sie begrüßte ausdrücklich den Startschuss für ein aktives Handeln, es sei Zeit zu agieren, anstatt nur zu reagieren.

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„Wir können nicht einfach so weiter machen, als sei nichts“, betont Schulz. „Wenn in der CDU mit dem Begriff der Leitkultur gehandelt wird, dann sehe ich das als Versuch, die Wahrnehmung in der bürgerlichen Mitte zu verschieben“, warnt er. Das große Problem sei die Trägheit ebendieser bürgerlichen Mitte.

Alle Kulturstätten sollen sich verstärkt als Orte des gemeinsamen Diskurses anbieten. Aber auch öffentliche Aktionen sollen Teil des neuen Bündnisses sein. So etwa ist für Mai 2019 eine „Glänzende Demonstration der Kunst und Kultur“ geplant. Sie soll unter dem Motto „Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!“ stehen. Die Unterzeichnenden verpflichten sich einander zu Solidarität mit Kultureinrichtungen und Akteuren, die durch Hetze oder Schmähungen unter Druck gesetzt werden. Als Erkennungssymbol des Bündnisses der Vielen dient die „golden-glitzernde Rettungsdecke“.

Die Unterzeichnenden bekennen sich überdies zu folgender Haltung: „Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.“ Alle Unterzeichnenden wollen völkisch-nationalistischer Propaganda kein Podium bieten. Sie verpflichten sich ferner, Versuche von Rechtsnationalen abzuwehren, die Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen. Außerdem sprechen sich die Unterzeichner dafür aus, sich solidarisch zu zeigen mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Die Initiative ruft Kunstschaffende dazu auf, die Erklärung mit einer E-Mail an nrw.erklaerung@dievielen.de zu unterzeichnen.

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