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Düsseldorf: Ulrich Tukur swingt in der Tonhalle

Düsseldorf : Ulrich Tukur swingt in der Tonhalle

Der Anblick mutet zunächst absurd an. Ulrich Tukurs Bandmitglieder sind skurril gekleidet. Der Erste trägt ein schrilles Frauenkostüm, der Zweite einen schwarzen Anzug, bei dem ihm die Schulterpartie bis über den Kopf reicht. Der Dritte tanzt im weißen Tutu. Dass die drei "Rhythmus Boys" in ihrer Körpergröße auffallend variieren, verstärkt den komischen Charakter dieses Auftritts.

Der Abend steht unter dem Motto "Let's Misbehave!", und so lautet auch der Titel des aktuellen Albums von Ulrich Tukur und seinen Rhythmus Boys. Das Herren-Quartett rund um den Filmschauspieler und Wiesbadener "Tatort"-Kommissar ist seit 1995 zusammen. Es besteht neben Tukur aus Günter Märtens, Ulrich Mayer und Kalle Mews. Und Tukur fordert das Publikum in der Tonhalle gleich zu Beginn auf, sich daneben zu benehmen: please misbehave! Die Leute applaudieren begeistert.

Nachdem Tukur zwei jazzige Solonummern gespielt hat, kehren seine Musiker in seriöser Garderobe auf die Bühne zurück. Im Laufe des Konzerts werden einige Hits und Evergreens gespielt, hauptsächlich Jazzstandards, die jeder kennt: von "Puttin' On The Ritz" von Irving Berlin über "Miss Otis Regrets" von Cole Porter zu George Gershwins "Shall We Dance". Auch "The Continental" von Con Conrad aus dem Musical "Tanz mit mir!" von 1934 gehört zum Repertoire.

Der 59 Jahre alte Ulrich Tukur übernimmt einerseits die Rolle des klassischen Jazzpianisten, der mit Bundfaltenhose und Hosenträgern anmutet, als sei er aus den 20er Jahren herübergeeilt. Andererseits weiß er das Publikum sehr zeitgemäß mit geschickt platzierten Anekdoten zu einzelnen Komponisten und der eigenen Bandgeschichte bei Laune zu halten.

Zu Beginn des zweiten Teils des von einer Pause geteilten Abends kippt die Unterhaltung allerdings kurzzeitig in den Klamauk: Gespielt wird hier kein hochdekorierter Jazz, sondern ein sogenannter Fliegentanz, zu dem ein Bandmitglied erneut in ein groteskes Kostüm schlüpft. Die Szene wirkt banal und albern und passt kaum zum hochwertigen ersten Teil.

Titel in der zweiten Hälfte sind "Everybody Loves My Baby", komponiert von Spencer Williams und "These Foolish Things" sowie "Georgia On My Mind". Zwischendurch zeigt sich Tukur auch als belesener und pointierter Rezitator von Gedichten, etwa wenn er sehr schön schelmisch die "Sachliche Romanze" von Erich Kästner aufsagt.

Zwei Stunden fühlt sich das Publikum zurückversetzt in die Atmosphäre einer längst vergangenen Zeit. Dafür gibt es Standing Ovations.

(RP)