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Düsseldorf: Ulrich Erben: Seh-Erlebnisse als Farbwunder

Düsseldorf : Ulrich Erben: Seh-Erlebnisse als Farbwunder

Der international bekannte Düsseldorfer Maler stellt zurzeit in der Oberkasseler Galerie Hans Strelow aus.

Ulrich Erben zählt zu jenen Künstlern, die ihren Weg unbeirrt von Strömungen konsequent seit fast 50 Jahren gehen. Man möchte ihn ungern in Schubladen stecken, doch zählt er zu den wenigen deutschen Malern, die der Farbfeld- und der konkreten Malerei nach Günter Fruhtrunk und Rupprecht Geiger Gültigkeit und Sinnlichkeit verschafft haben, seit er 1968 sein erstes, komplett weißes Bild gemalt hat und ihm die Loslösung vom Gegenstand die künstlerische Freiheit schenkte.

Geboren wurde er 1940 in Düsseldorf, doch schon mit 16 zog er mit seiner Familie des besseren Klimas wegen nach Rom. Bis heute hat er gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Ingrid Bachér, ein Domizil in Italien.

Die Ewige Stadt, so erzählt er, hat seine Kunst beeinflusst: das Licht, die Bauten, die Kunst und die Menschen. Schon immer wollte Erben Maler werden. Er sah als erster Deutscher Cy Twomblys Arbeiten in Rom, schätzte Francis Bacon und Alberto Burri, war fasziniert von Lucio Fontanas Radikalität, von Mark Rothko und Jackson Pollock.

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Die Ausstellung "Immagini" in der Galerie Hans Strelow bietet die Gelegenheit zu erleben, wie aus den Seh-Erfahrungen des Malers Bilder werden. Zunächst ganz still erscheint diese großartige Malerei, zurückhaltend schichten sich Quadrate, Rahmen und Balken weiß auf weiß, orange auf dunkelrosé, blau auf blau, schwarz auf weiß.

Doch nach wenigen Augenblicken des Betrachtens erwachen die Leinwände zum Leben. Sie flimmern und vibrieren, die Farbflächen atmen, sie korrespondieren miteinander, heben sich hervor. Hält man sich eine Weile in den Räumen auf, scheinen sich die Begrenzungen der Wände aufzulösen, die Leinwände schweben, und die Farben durchströmen gleichsam den Raum.

Diese plastische Wirkung entsteht, indem Ulrich Erben die Farben in feinsten Abstufungen aufträgt. Kaum wahrnehmbar lässt er die verschiedenen Töne zum Rand hin heller oder dunkler werden. Man spürt es mehr, als dass man es sehen kann, so subtil, leicht und virtuos mobilisiert er den Farbverlauf.

"Das ist ungeheuer schwer zu malen", berichtet er und verweist mit leisem Lächeln darauf, das er ja noch selbst male und diesen sinnlichen Akt nicht missen möchte. Er erklärt, dass zunächst die weiße Leinwand da ist und sein Anliegen, etwas zu gestalten, das vorher nicht da war.

"Ich möchte das, was mich trifft, komprimieren und in einem Bild zum Ausdruck bringen": Stimmungen, die Erinnerung an Landschaften, deren Strukturen und ihr Licht, die Aura von Erlebtem, seelische Eindrücke.

Es ist die zehnte Ausstellung, die Ulrich Erben bei Hans Strelow zeigt. Das Haus am Luegplatz birgt zudem besondere Erinnerungen: Lange Jahre hatte auch Alfred Schmela dort seine Ausstellungsräume. Der Maler erinnert sich, wie er ihm 1972 seine Bilder zeigte. " Dat is jut", hatte ihm der legendäre Galerist damals bescheinigt. Er hat sich nicht geirrt.

Ulrich Erben studierte an den Kunsthochschulen Urbino und Venedig sowie in Hamburg, München und Berlin. 25 Jahre war er Professor an der Kunstakademie Münster, seine Werke sind in nahezu allen wichtigen deutschen Museen vertreten.

(RP)