Düsseldorf: Über die Kunst, ohne Regung zu spielen

Düsseldorf: Über die Kunst, ohne Regung zu spielen

Sigmar Solbach spielt die gelähmte Hauptfigur in "Ziemlich beste Freunde" – sein erstes Gastspiel in Düsseldorf

Sigmar Solbach spielt die gelähmte Hauptfigur in "Ziemlich beste Freunde" — sein erstes Gastspiel in Düsseldorf

Ein Schauspieler kennt es nicht anders, als sich gestenreich mit "Händen und Füßen" auszudrücken. Schon deshalb muss diese Rolle in "Ziemlich beste Freunde" unendlich schwer sein für Sigmar Solbach. Zwei Stunden auf der Bühne, im Rollstuhl sitzend oder im Bett liegend — und dazu verdammt, nicht die winzigste Bewegung zu machen.

Allein seine Stimme bleibt ihm, um das Publikum zu fangen und zu überzeugen. Er spielt einen Pariser Adeligen, der nach einem Sport-Unfall vom Hals an abwärts gelähmt ist. Mit dem aufmüpfigen Pfleger Driss, einem Kleinkriminellen, schneit ihm ein Widerpart ins Haus. Daraus entspinnt sich, wenn auch mit Stolpersteinen, eine wunderbare Freundschaft.

"Ziemlich beste Freunde" ist als vielfach preisgekrönter Film mit realen Bezügen längst Legende. In der "Komödie" funktioniert auch die sensible Theater-Inszenierung von Pia Hänggi hervorragend. Das glänzende Ensemble mit Sigmar Solbach, Peter Marton, Kerstin Gähte und anderen wird einhellig umjubelt. "Wir hatten befürchtet, gegen den Film nicht anzukommen", sagt Solbach. "das war zum Glück unbegründet. Ich fühle mich fantastisch in diesem Stück und in meiner Rolle. Auch wegen des Publikums, das so großartig mitgeht."

Über Monate hatte er sich mental auf diese schwierige Aufgabe vorbereitet: "Was passiert mit dir, wenn der größte Teil deines Körpers inaktiv ist? Wie findest du die Schraube im Kopf, das alles abzuschalten? Mir ist sicher zu Gute gekommen, dass ich regelmäßig meditiere. Das beruhigt Körper und Geist."

Diese Fähigkeit habe ihn auch in dem Glauben ermuntert, sich zu keiner reflexartigen Bewegung hinreißen zu lassen. "Dein Körper steht dir als Instrument nicht mehr zur Verfügung. Das ist wie bei einem Geiger, der auf einer Violine mit nur einer Saite spielen muss."

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Sigmar Solbach, geboren in Olpe, gastiert zum ersten Mal in einem Düsseldorfer Theater. Und entdeckt eine Stadt, die er liebenswerter findet als gedacht. "Ich gehe oft spazieren. Es gibt so viel Grün hier! Den Rhein! Und wenn der Kö-Bogen fertig ist, wird das bestimmt ein tolles Highlight", sagt der 68-Jährige. "Doch viel mehr noch schätze ich die Menschen hier. Sie sind freundlich, offen, kommunikativ, aber dabei gar nicht anbiedernd. Ich führe schöne kleine Gespräche auf der Straße, von Mensch zu Mensch."

Natürlich erkennt man ihn. War er doch das Gesicht der (nach der "Schwarzwaldklinik") wohl bekanntesten Arzt-Serie im Fernsehen. "Dr. Frank — der Arzt, dem die Frauen vertrauen", das blieb in der Köpfen. "Ich fand den Untertitel erst idiotisch", gibt er zu. "Heute hat er Kultstatus und wird immer wieder auf amüsante Weise verballhornt." Seine Jahre im weißen Kittel möchte er nicht missen, aber sie sind Vergangenheit.

Sigmar Solbach teilt seine Zeit inzwischen anders ein. Theater ist ein notwendiges Elixier, immer wieder. "Schauspieler zu werden, war ein ganz starker Drang. Diesen Wunsch setzte ich um, ganz linear." Später kam seine zweite Leidenschaft dazu, das Segeln. Lange musste sie hinter dem Beruf zurückstehen, heute lebt er sie aus.

Seine Frau, Therapeutin und Autorin philosophischer Märchen, teilt sie mit ihm. Drei, vier Monate im Jahr segelt das Ehepaar durchs Mittelmeer. Solbach hat alle Scheine und Patente, vom Funker bis zum Kapitän: "Ich dürfte überall hin und theoretisch sogar einen Ozeanriesen steuern." Doch ihm reicht sein eigenes Boot, die "Varuna", benannt nach einer indischen Meeresgöttin. "Wir sind See-Nomaden", erzählt er. "Ich liebe die Reduktion auf das Wesentliche.

Der zeitweilige Ausstieg aus der Überflussgesellschaft tut gut. Was einen normalerweise umgibt, braucht man nicht zum Glücklichsein. Und wo sonst hat man einen so unmittelbaren Kontakt mit den Elementen?" Bald wird er ihn wieder genießen. Nach der letzten Vorstellung von "Ziemlich beste Freunde" trifft er bei einer Regatta auf Mallorca ein paar Freunde, mit denen er schon zwei Mal bei rauer See über den Nordatlantik gesegelt ist. "Bei diesem Törn sind dann auch wieder alle meine Gliedmaßen gefordert."

(RP)