Düsseldorf : Training für Tokio

Die Düsseldorfer Symphoniker fahren Anfang Mai nach Tokio. Ihr Dirigent beim Festival "La Folle Journée" wird der gerade 28-jährige Usbeke Aziz Shokhakimov sein. Er war vor zwei Jahren schon mal in der Tonhalle, jetzt macht er sich beim städtischen Symphoniekonzert mit den Musikern wieder vertraut. Gestern Morgen klang das schon vielversprechend.

Gerade wenn Shokhakimov genau sein muss, klappt's auch mit den Kleinigkeiten. Im Cellokonzert von Henri Dutilleux jedenfalls, für das Alban Gerhardt als Solist auf dem Podium Platz genommen hatte, wimmelte es nur so von klanglichen Raffinessen. Ausgehend von einem intimen Zwiegespräch zwischen einem asiatischen Becken und dem räsonierenden Soloinstrument entwickelt sich ein Furioso an Klängen und Formen, das 30 Minuten höchste Virtuosität mit zeitgenössischer Tonsprache verknüpft. Dutilleux' Klänge finden auch ohne Zugehörigkeit zu einer Schule des Neuen, Ungewohnten, Gültigen. Fünf Schlagwerker sind an Stabspielen, Metallen und Fellen aktiv; Harfe, Celesta glänzen ebenfalls im Wunderwerk der nicht eben avantgardistischen fünf Sätze.

Gerhardt pflegt einen über die Maßen kantablen Ton, sein Legato ist geradezu überirdisch schön. Die vielen technischen Kabinettstückschen bewältigt er unaufgeregt und werkdienlich. Da schien kein Flageolett, kein Doppelgriff, kein Springbogen oder Spiel auf dem Steg aufgesetzt. Und die Düsys glänzen in allen Farben.

Premiere in Düsseldorf hatte Alexander Skrjabins Komposition "Poème d-Moll". Zum 100. Todestag des Komponisten steuert es rhapsodisch auf den fulminanten Schluss zu. Die Blech-Fraktion produzierte besonders edle Sounds.

Auch bei Johannes Brahms' (leise endender) 3. Sinfonie F-Dur beweisen die Symphoniker Aufmerksamkeit. Die Solisten an Holz und Horn geben ein vorzügliches Ensemble ab. Shokhakimov hat seine eigenen Vorstellungen von Brahms. Da kommt es weniger auf Genauigkeit an, er betont das Widerständige im Werk. Er setzt viel Agogik ein, was etliche kleine Übergänge verwischt. Dann aber ist ein Augenblick wieder zauberhaft lebendig, jung, spannend, herzerweichend. Mal schauen, was da bis Tokio zusammenwächst.

(RP)