1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Traditionsoper in Düsseldorf: Wiedersehen bei Hänsel und Gretel

Traditionsoper in Düsseldorf : Wiedersehen bei Hänsel und Gretel

Sabrina von Lüdinghausen und Elke van Genuchten haben im Chor der Märchenoper gesungen. Ein Treffen nach 30 Jahren.

Bei ihrer Begegnung im Foyer gab es eine Überraschung für Sabrina von Lüdinghausen und Elke van Genuchten. Eigentlich hatten sie nur damit gerechnet, auf eine Frau zu treffen, die ebenfalls einmal in der Inszenierung von Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ mitgewirkt hat, die vor 50 Jahren in der Rheinoper Premiere feierte. Aber dann schauten sie sich verblüfft an und erinnerten sich: „Wir kennen uns doch aus dem Mädchenchor!“ Rund 30 Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Umso seliger schwelgten sie in Erinnerungen – an die Proben im Kolpinghaus, ihre Auftritte in Faltenröcken, weinroten Cordwesten und Lackschuhen.

Über einen Zeitraum von rund zehn Jahren sangen sie zur Advents- und Weihnachtszeit bei „Hänsel und Gretel“ in Düsseldorf und Duisburg mit. „Meinen Geburtstag am 25. Dezember verbrachte ich immer auf der Bühne“, sagt Sabrina von Lüdinghausen, die seit 15 Jahren in Stuttgart lebt. Und sie erzählt, dass sie vor der etwas älteren Elke viel Respekt hatte. „Klar, ich war ja auch Chorsprecherin“, sagt Elke van Genuchten.

Jeden Monat durfte sie die Gage für die Mädchen auszahlen: Acht Mark gab es pro Vorstellung. „Unser erstes selbst verdientes Geld“, sagt van Genuchten. Unvergessen ist beiden der spezielle Geruch von Schminke und Kostümen, die Kleidung, die sie im Stück trugen, „grün kariert, aus ganz weichem Stoff“. Die harmlosen Streiche: „Im Hexenhaus lagen Schokoladen-Lebkuchen, die wir am Schluss bekamen. Wir schlichen uns schon vorher heimlich rein und mopsten sie.“ Auch war es den Chormädchen nicht erlaubt, auf eigene Faust durchs Opernhaus zu streifen. Egal. „Dauernd rannten wir in Gängen herum, in die wir nicht durften. Und stiegen verbotenerweise sogar aufs Dach.“

Außer bei „Hänsel und Gretel“ wirkten sie noch bei weiteren Opern mit. Aber nichts blieb ihnen so nachhaltig in Erinnerung wie die Musik von Engelbert Humperdinck, von der sie bis heute jeden Ton kennen. Die Meerbuscherin Elke van Genuchten arbeitet mittlerweile im kaufmännischen Bereich bei der Rheinbahn. Zu singen hörte sie auf, aber die Oper besucht sie immer noch.

Heidi Elisabeth Meier (Gretel), Lisa Wedekind (Hänsel), Sabrina von Luedinghausen und Elke van Genuchten auf der Bühne der Rheinoper. Foto: Endermann, Andreas (end)

Sabrina von Lüdinghausen dagegen machte die Musik zu ihrem Beruf. Sie ist Harfinistin, ein Ziel, das sie hartnäckig verfolgte, seitdem sie kurz vor ihrem dritten Geburtstag bei „Hänsel und Gretel“ vom Orchestersessel aus das faszinierende Instrument entdeckte. Ihre Mutter staunte, als das Kind sich eine „Hafenplatte“ wünschte. Was Sabrina bekam, war eine Schallplatte mit Shanties – „so unmusikalisch war meine Familie!“ Man habe sie dann mit einem Klavier abgespeist, ihre Harfen-Sehnsucht erfüllte sich erst mit elf Jahren. Später studierte sie Musik, wanderte von Oper zu Oper und durch alle Genres: Sogar im Orchester von Popstar Sting spielte sie Harfe. Hübsche Randnotiz: Ihren Ex-Mann lernte sie bei „Hänsel und Gretel“ in Duisburg kennen, wo er Praktikant war. Heute unterrichtet sie an der Musikschule in Heilbronn und singt dort mit ihrem jetzigen Partner wieder im Chor. „Es ist wie ein Nachhausekommen“, sagt sie.

Nun war sie nach langer Pause gespannt auf „Hänsel und Gretel“. Ein wenig wird ihre Vorfreude gedämpft. „Einiges in der neuen Bearbeitung wird dir fremd vorkommen“, warnt Elke van Genuchten. „Es gibt keinen Zaun mehr mit Kindern.“ Sabrina macht große Augen. „Und Hänsel und Gretel tragen Schuhe“, fährt van Genuchten fort. „Sie tragen Schuhe? Ich bin verwirrt“, ist die ungläubige Reaktion. Dennoch, mit der Ouvertüre entfaltet die Märchenoper auch für Sabrina von Lüdinghausen wieder ihren alten Zauber.