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Düsseldorf: Tonhalle: Zwei Steinways teilen sich einen Chopin

Düsseldorf : Tonhalle: Zwei Steinways teilen sich einen Chopin

Christian Ehring formatiert in seiner Reihe in der Tonhalle schon ein paar Jahre das klassische Sinfoniekonzert mit den Mitteln des Kabarett um. Das ist meistens lustig, doch diesmal besonders gelungen.

Und das nicht nur, weil seine Moderationen treffsicher die Balance zwischen frecher Schnauze und profunder Information finden, sondern weil sie locker die Zeitalter überbrücken, die etwa zwischen Mozart, einem 150 Jahre alten Steinway und dem Heute seiner vergnügt altersgemischten Zuhörerschaft gähnen. Da fallen ihm zur Flüchtlingsproblematik der Arbeits-Migrant Mozart sowie die Flüchtlinge Chopin oder Ligeti ein. Und dann bringt er per Kneipenwitz die aktuellen Flüchtlingszahlen auf den Punkt. Das ist schon große Kunst.

Da mögen sich die Musiker auf der Bühne nicht zurückhalten. Hardy Rittner etwa, der Pianist mit sehr roter Fliege, der als Spezialist für historisch informierte Musik an einem der ersten je gebauten Steinway-Hammerflügel Chopin, Liszt und Mozart spielt: ein Fest der Obertöne, der klar getrennten, kontrastierenden Register. Der Skrjabin und Ligeti am neuen Steinway volltönend, brillant und bruchlos musiziert. Das "Regentropfen"-Prélude gibt's sogar im Ehring-Rittner-Doppel auf beiden Instrumenten - Viertelton-versetzte Klangkosmen.

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Tja, und da sind ja auch noch die famosen Streicher und Bläser von "L'arte del mondo" und ihr Leiter Werner Ehrhardt, die federnd, meist vibratolos und mit wunderbarem Gespür für Phrase und Harmonie mit Barockbögen und auf Naturhörnern aufwarten. Lange nicht so quicke zweite Geigen erlebt. Und Mozarts B-Dur Klavierkonzert KV 595 erglänzt in den ungeheuerlichen Farben des Spätwerks. Armin Kaumanns

(RP)