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Düsseldorf: Tonhalle: Trompeten können mehr als nur schmettern

Düsseldorf : Tonhalle: Trompeten können mehr als nur schmettern

Bassam Mussad, der Solo-Trompeter der Düsseldorfer Symphoniker, begeisterte seine Zuhörer.

Oft kommt eine Solistenkarriere nicht zustande, weil der Musiker ein Probespiel um eine Stelle in einem weltberühmten Orchester gewinnt und sich sagt: Ist hier doch auch ein herrliches Leben - mit weniger Reiserei. Bisweilen dringt aber der Ehrgeiz durch, und er wagt sich als Solist aufs Podium.

So war es bei Bassam Mussad, dem Solo-Trompeter der Düsseldorfer Symphoniker. Immer wenn man ihn im Konzert hörte, staunte man über seine butterweichen und doch kernigen Töne und malte sich ihn in einem Solistenkonzert aus. Diesen Wunsch hatte auch Chefdirigent Ádam Fischer und bat Mussad jetztnach vorn - zu Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur in der Tonhalle.

Das war eine wunderbare Entscheidung: Mussad ist ein Erzmusikant, der sic,h die Gelegenheit zur Brillanz nicht entgehen lässt, aber die Kunst von bloßer Schmetterei frei hält. Seine Linien sind kostbar und von edlem Haydn-Legato geadelt. Dass er in der Zugabe auch noch stilvoll jazzte, komplettierte unser Bild eines großartigen Künstlers.

Die Trompeten bei Joseph Haydn und Gustav Mahler sind keine Wohnungsnachbarn: Mahler holt, wenn auch mit gebrochenem Ton, wieder alte Militärfanfaren aus dem Instrumentenkoffer, spiralförmig schrauben sie sich hoch. Daneben gibt es - in Mahlers erster Symphonie D-Dur nach der Pause - verlorene Lieder (etwa die Verballhornung des "Bruder Jakob"), Naturlaute, Synagogalklänge und am Ende prachtvolle hymnische Kurven. Ein genialer Erstling!

Fischer ließ sein Orchester virtuos aufspielen; die Energie räumte den Horizont frei, dem Mahlers Musik entgegendrängte. Aber auch die Neigung des Komponisten, im Mahlstrom des Symphonischen Inseln der Melancholie anzusteuern, holten Fischer und sein Orchester großartig heraus. So hörten wir eine Interpretation, die mit zuweilen originell-derben Akzenten den Mutterboden düngte, aus dem in späteren Werken Mahlers bizarre Blüten trieben.

Gewaltiger Beifall.

(w.g.)