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Tonhalle Düsseldorf zeigt Beethovens "Fidelio" in neuer Form

Aufführung in der Tonhalle : Beethovens „Fidelio“ in der Normandie

In der Düsseldorfer Tonhalle erinnerte Dirigent Adam Fischer an eine New Yorker Aufführung von 1944. Diese schaffte es auf grandiose Weise, den „Fidelio“ den Nationalsozialisten zu entreißen.

Die New Yorker Aufführung von Ludwig van Beethovens einziger Oper „Fidelio“ im Dezember 1944 durch den legendären Dirigenten Arturo Toscanini könnte man als die Befreiung der Befreiungsoper bezeichnen. Denn zu der Zeit drohte die Welt das Werk an die Nationalsozialisten zu verlieren, die Beethovens Hymne an die Freiheit auf zynische Weise längst in ein Propagandastück umgedeutet hatten: Den Sieg der Freiheit setzten sie mit dem Endsieg gleich.

Dass Toscanini mit seiner Radio-Aufführung für die NBC den Menschen wieder den humanen Kern der Oper zurückbrachte, daran erinnerte am Sonntag Düsseldorfs Generalmusikdirektor Adam Fischer in der Tonhalle mit der halbszenischen Produktion „Fidelio 1944“, die sich auf den zweiten Akt der Oper (plus der Leonoren-Ouvertüre III vor dem Finale) konzentriert.

Fischers Interesse an der New Yorker Aufführung ist freilich mehr als ein bloß historisches, sondern zugleich ein humanes und sehr persönliches. Bevor er den Taktstock hob, erzählte der aus Ungarn stammende Dirigent dem Publikum die Geschichte seiner Mutter: Sie überlebte im obersten Stockwerk eines Hauses in Budapest, wo sie sich vor den Nazis versteckte, einen Fliegerangriff der Alliierten. Nur das Haus, in dem sie sich befand, sei heil geblieben. Das „Wunder“ hat für Fischer bis heute aber auch eine dunkle Seite. „Wir kennen immer nur die Geschichten der wenigen glücklichen Überlebenden. Die Toten können ihre Geschichte nicht erzählen.“

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„Fidelio 44“ ist eine audiovisuelle Collage, in der die Musik aus der Oper mit Texten von Thomas Mann und stilisierten Bildern von der Landung der Westalliierten in der Normandie, die wie auf einem Triptychon hinter dem Orchester zu sehen waren, zu einer bedeutsamen Aussage verknüpft werden: die Befreiung der Kunst und des Menschen.

Regie führte Leonhard Koppelmann, aus dessen Feder auch der lesenswerte Programmheft-Essay stammt, der zugleich die Grundlage für die von Sonja Beißwenger und Andreas Grothgar gelesenen Texte war.

Musikalisch wurde die Düsseldorfer Aufführung durchaus zu einer Festoper. Die coronabedingten Einschränkungen fielen da kaum ins Gewicht. Wegen der zu erwartenden Aerosole der Gesangssolisten blieben die ersten Zuschauerreihen unbesetzt, ebenso die Ränge. Hier hatte sich mit sechs Metern Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Sängern der Chor verteilt. Das Publikum musste wegen des fehlenden Sicherheitsabstands in den Sitzreihen während der gesamten etwa anderthalbstündigen, pausenlosen Aufführung einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Den Gefangenen Florestan sang Maximilian Schmitt mit ins Lyrische spielender Tenorstimme, die gleichwohl die Ausdrucksbreite in der großen Kerker-Szene eindrucksvoll bewältigte. Johanni von Oostrum als Leonore alias Fidelio füllte den Saal mühelos mit Klang. Ihr zuzuhören, ist tatsächlich namenlose Freude. Auch Tilmann Rönnebecks Rocco, Michael Kupfer-Radeckys Don Pizarro und Torben Jürgens’ Don Fernando waren bestens besetzt. Panagiota Sofroniadou (Marzelline) und Andrés Sulbarán (Jaquino) mussten, weil nur der zweite Akt gespielt wird, naturgemäß etwas unterbeschäftigt bleiben.

Die Düsseldorfer Symphoniker spielten unter Fischers Leitung einen prägnanten, konturierten Beethoven mit schönen Soli etwa von Trompete, Horn, Oboe und Flöte. Eine Toscanini-Hommage, die keine Kopie war. Der Chor der Rheinoper (Einstudierung Gerhard Michalski) bewies trotz Corona-Abständen homogene Wucht. Die Publikumsreaktion: Standing Ovations.