Theater in Düsseldorf: Autofahrt als Performance

Theater in Düsseldorf : Autofahrt als Performance

Gespannt steigen drei Zuschauerinnen hinten ins Auto, vorne sitzen der Fahrer und Ayşe Draz. Im Rahmen des Projektes „Panorama Radio“ haben Draz und ihre Mitstreiterin Marlin de Haan für das FFT eine performative Autofahrt erdacht.

Die Idee: Während der Fahrt lernen die Teilnehmer einander kennen und kommen ins Gespräch. Erprobt haben die Künstlerinnen das bereits in Istanbul.

Los geht es entlang der Friedrichstraße Richtung Oberkasseler Brücke. Aus einem Lautsprecher kommt eine angenehme Stimme: „Was habt ihr heute gefrühstückt?“. Die Mitfahrer schauen einander an, bis eine schnell antwortet, dass am morgen leider zu wenig Zeit gewesen sei, daher hätte es nur für zwei Bananen gereicht. Nachdem man sich im Auto kurz über das Frühstücken ausgetauscht hat, beginnt Musik. Und was gibt es Besseres zum Autofahren als Trios „Da Da Da“? Die Hinterbank summt fleißig „Ich lieb’ dich nicht, du liebst mich nicht“, der Fahrer trommelt den Takt auf dem Lenkrad mit, während Draz Zitronenlimo reicht. Über die Kniebrücke führt der Weg zum Aachener Platz und zur Uni. Immer wieder werden die Mitfahrer befragt und zu Spielen animiert – das ist fast wie auf großer Urlaubsreise mit den Geschwistern. So reicht Draz kleine Spiegel nach hinten, damit sich die Insassen aus jedem Winkel anschauen können. An einer Ampel ernten die Teilnehmer irritierte Blicke aus einem Nachbarauto. Zurück zum FFT: Aus dem Lautsprecher dröhnt anatolischer 70er-Jahre-Rock. Die Mitfahrer unterhalten sich angeregt. So hat “Panorama Radio” seine Mission ganz nebenbei erfüllt.
Clemens Henle

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