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Theater an der Kö bringt mit "Alles unter eine Tanne" eine Boulevard-Perle

Premiere im Theater an der Kö : Die gut geölte Boulevard-Perle

„Alle unter eine Tanne“ bietet im „Theater an der Kö“ beste Unterhaltung. Ausgerechnet an Weihnachten fliegt ein Familiengeheimnis auf.

Harmonie sieht anders aus. Elli und Robert zoffen sich vom ersten Moment an. Er mäkelt über das zu kalte Wohnzimmer, sie kontert: „Also, wir finden es mollig.“ Er geht nach oben, kommt empört zurück: „Warum habt ihr das Bett umgestellt?“ Na, weil sie und Micha es schöner so finden. Micha ist auch da. Er sagt Engelchen zu Elli und ist ihr junger Geliebter. Man erfährt: Das reife Paar, seit drei Jahren geschieden, hat dies vor den erwachsenen Kindern bisher verheimlicht. Jetzt ist die Familie im Anmarsch, Micha muss verschwinden. „Ihr wisst schon, dass ihr irgendwann auffliegen werdet?“ sagt er noch. Aber da gibt es eben diese elterliche Vision vom Weihnachtsfest und den ehernen Vorsatz: „Alle unter eine Tanne“.

So heißt auch die höchst vergnügliche Komödie von Lo Malinke, die im „Theater an der Kö“ über Weihnachten und Silvester gespielt wird. Bei der Premiere, ein seltsamer und erstmaliger Anblick, waren die Stuhlreihen nur dürftig besetzt. An den Tagen zuvor hatte es zahlreiche Absagen gegeben, zu mulmig ist es vielen Besuchern offenbar noch – oder wieder –, ins Theater zu gehen. Man mag das verstehen, doch in den Pausengesprächen gab es eine große Einigkeit unter den amüsierten Zuschauern: Wer nicht da war, hat etwas versäumt.

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Nämlich eine gut geölte Boulevard-Perle. Die Ausgangssituation um die verheimlichte Scheidung bietet Steilvorlagen für absurde Verwicklungen und Notlügen. Nur in den allerersten Minuten ruckeln die Dialoge ein wenig, aber dann: Flottes Tempo. Freche Pointen, durchaus mal frivol. Das Ensemble perfekt aufeinander eingespielt. Und lauter gut gezeichnete Typen: Claudia Wenzel ist Elli, eine auf Harmonie bedachte Paartherapeutin, die sich in ihren Lebenslügen verstrickt hat, Rüdiger Joswig ihr spröder Ex-Gatte Robert. Dessen Geliebte (Daniela Wutte) schneit unerwartet herein, wild entschlossen, der alljährlichen Schmierenkomödie ein Ende zu bereiten: „Da hat sich die Chrissi gedacht, nein, sie will nicht wieder mutterseelenallein sein, sie kommt zu Besuch.“

Micha (Volker Büdts, ab Mitte der Woche Armin Riahi) plädiert ebenfalls für die Wahrheit. Während man noch wild diskutiert, sind plötzlich alle auf einmal da. Die flippige Tochter Leo (Monika Reithofer), ewige Studentin und schwanger, ihr schwuler Bruder Tobi (Frank Habatsch), die erzkonservative andere Tochter Sanna (Johanna Paliatsou). Und dann wäre da noch deren Mann Heiner, eine Nummer für sich. Ihn spielt Urs Schleiff, der Regisseur von „Alle unter eine Tanne“. Das Publikum liebt ihn sofort, man schaut ihm zu und muss lachen. Wie drollig er guckt. Wie linkisch er dasteht. Und wie ausdrucksstark er ist in seiner Stummheit. Ganz lange spricht er kein Wort. Aber ausgerechnet dieser harmlose Bursche lässt schließlich die Bombe platzen.

Bis dahin ist viel passiert. An unfreiwilligen Enthüllungen, an Komik, an Szenen wie bei Loriot. Entsetzt müssen Elli und Robert mit ansehen, welche Folgen ihr Schwindel hat. Dagegen scheint es geradezu trivial, wenn der Baum in Flammen aufgeht. Natürlich könnte man sich fragen, wie diese Familie übers Jahr denn eigentlich kommuniziert, und ob sie sonst nie zusammenkommt. Nur eben am Weihnachten. Aber geschenkt, denn sonst wäre der ganze Spaß gar nicht möglich.

Das Fest rollt also ab wie immer. Kaffeetrinken, Bescherung, „und zum Essen ziehen wir uns alle um.“ Man sitzt am langen Tisch, Spitzfindigkeiten und Lästereien fliegen hin und her. Sanna hat Berge von gefüllten Tupperdosen mitgebracht, ihr Heiner ist allergisch, gegen vieles, „wir dünsten praktisch alles.“ Türen fliegen auf und knallen zu, was hier ausnahmsweise nicht nervig ist.

Als der Eklat absolut nicht mehr zu verhindern ist und alle nacheinander wegrennen, stammelt Mutter Elli hilflos: „Aber es ist doch noch so viel Braten da.“ Am Ende kommt natürlich alles ins Lot, und der Familienfrieden wird wieder hergestellt, wenn auch auf andere Weise als geplant. Da passen dann wirklich alle unter eine Tanne. Ganz egal, ob sie verkohlt ist. Wer sich in der Weihnachtszeit zwei Stunden beste Boulevard-Unterhaltung gönnen will, ist im „Theater an der Kö“ goldrichtig. Viel Applaus für das glänzende Ensemble von einem durchweg fröhlich gestimmten Premieren-Publikum.