The Analogues spielen das Spätwerk der Beatles

Musik : Die beste Beatles-Coverband der Welt

The Analogues bringen jene Musik auf die Bühne, die die Fab Four selbst nie live gespielt haben – das Album „Abbey Road“ etwa.

Es gibt unzählige Beatles-Coverbands. Warum The Analogues aus der Masse hervorstechen, spürt man auf ihren Konzerten schon nach wenigen Minuten. In einem Radiokonzert im WDR-Sendesaal hat das Musikerkollektiv aus den Niederlanden jetzt einen Eindruck davon gegeben, warum seine Arbeit nicht nur begeistert, sondern auch wichtig ist, eine Lücke füllt: Passend zum
50. Geburtstag von „Abbey Road“, dem erstaunlich runden letzten Album der eigentlich zutiefst zerstrittenen Beatles, führten The Analogues viele seiner Stücke auf.

Darunter sind Songs wie „Come Together“ oder „Here Comes The Sun“, die zu den bekanntesten und beliebtesten Titeln der Liverpooler gehören – die sie live aber nie aufgeführt haben. Dass sie ihren Zauber entfachen, liegt nicht bloß daran, dass die Analogues sie überhaupt spielen. Es liegt daran, wie sie die Songs spielen: Mit der Leidenschaft von Nerds auf Original-Instrumenten und Verstärkern aus den 1960er Jahren in den originalen Arrangements, mit auch stimmlicher Perfektion, mit großer Geschmeidigkeit und einem Lächeln auf den Lippen.

„Normalerweise sind noch viel mehr Leute um uns herum“, erklärt Schlagzeuger, Sänger und Bandgründer Fred Gehring auf der ziemlich vollgestellten Bühne. „Wenn wir ein Album wie ‚Abbey Road‘ komplett aufführen, müssen viele Menschen zusammenarbeiten. Das erinnert an eine militärische Operation.“ Nur so kriegen The Analogues es hin, das eigentlich als unspielbar geltende Spätwerk der Beatles live auf die Bühne zu bringen.

Als unspielbar gelten viele Songs seit spätestens dem Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von 1967, weil die Beatles ein Jahr vorher beschlossen hatten, nicht mehr live aufzutreten. Stattdessen nahmen sie sich Zeit für teils nie da gewesene Studio-Experimente.

The Analogues umgehen die Unspielbarkeit, indem sie die musikalischen Aufgaben auf viele Menschen verteilen – und nicht wie andere Coverbands einen Paul-, einen John-, einen George- und einen Ringo-Imitator haben. Der Grundstock der Band besteht aus sechs mittelalten Herren, dazu kommen Techniker, Streicher und Bläser und ein weiterer Sänger für schwierige McCartney-Passagen wie in „Got To Get You Into My Life“.

Beatles-Fans werden es bemerkt haben: „Got To Get You Into My Life“ ist gar nicht von „Abbey Road“, sondern vom Album „Revolver“ von 1966. So wie alle Titel des Weißen Albums, „Sgt. Pepper“ und der „Magical Mystery Tour“ gehört es jedoch zum festen Repertoire von The Analogues – und wenn sie 2020 für zwei Konzerte nach Düsseldorf und Essen kommen, werden sie nicht nur das „Abbey Road“ in der richtigen Reihenfolge aufführen, sondern auch Hits der anderen späten Alben. In Köln spielen sie zum Beispiel auch die Single „Penny Lane“ und das Publikum ist währenddessen gerührt und danach so aus dem Häuschen, dass es gar nicht mehr aufhören mag zu klatschen. „Das kennen wir aus Holland nicht“, sagt Fred Gehring sichtlich bewegt. Aber ihre „Penny Lane“-Performance kommt tatsächlich einem Wunder gleich: Alles ist am richtigen Ort, das Klaviermotiv, das Glockenklingeln, die Chöre, die Blech- und Holzbläser. Die Stimmen der Cover-Künstler können mit dem Original mithalten. Man kann wahrhaftig sagen: Pop-Geschichte wird hier zum Leben erweckt.

Bevor The Analogues zum großen Medley ansetzen, das das Album „Abbey Road“ beschließt und an dessen Ende die wundervollen Textzeilen von „The End“ stehen werden: „Am Ende ist die Liebe, die du bekommst, so groß wie die Liebe, die du gibst“, spricht Frank Gehring noch ein paar emotionale Worte: „So wie ‚Abbey Road‘ das letzte Album für die Beatles war, ist die Tour dazu unser letztes Projekt. Auch wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringen wird.“

Für das nächste Jahr ist sie allerdings noch gewiss: Sie wird ihnen eine Menge Applaus, leuchtende Augen und Liebe bringen.

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