Düsseldorf: Textarbeiterin mit komödiantischem Talent

Düsseldorf : Textarbeiterin mit komödiantischem Talent

Worte wälzen, Sätze knacken, Sinn enthüllen – die Schauspielerin Claudia Hübbecker arbeitet gern und hart an ihren Texten und Rollen. Am 25. April stellt sie ihr erstes Soloprogramm im Schauspielhaus vor.

Worte wälzen, Sätze knacken, Sinn enthüllen — die Schauspielerin Claudia Hübbecker arbeitet gern und hart an ihren Texten und Rollen. Am 25. April stellt sie ihr erstes Soloprogramm im Schauspielhaus vor.

Wenn Claudia Hübbecker am 25. April auf der Bühne steht, wird ein Hauch von Zitronenverbene in der Luft liegen. Das ist kein Zufall: Die Schauspielerin schlüpft nicht in ihre Rollen wie in ein historisches Kostüm, sondern sie lebt sie mit allen Sinnen, und dazu gehört immer auch das passende Parfüm. "Das ist ein Spleen von mir", sagt die Schauspielerin lachend. "Das hat mit Konzentration zu tun. Ich stimme mich so auf die Figur ein."

Im siebten Jahr gehört Hübbecker, die 2006 mit Intendantin Amélie Niermeyer kam, zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. Mit der findigen Schneidersfrau Fin im "Schneider Wibbel", aufgeführt auf Düsseldorfer Platt, hat sie ihr komödiantisches Talent bewiesen und die Herzen vieler Düsseldorfer erobert. Für die Frau in Dario Fos "Offene Zweierbeziehung" erntete sie ebenso viel Lob wie für das finstere Bunker-Stück "Tage unter".

Ob komisch oder tragisch — bis jetzt hat sie noch jeder ihrer Rollen ein Parfüm verpasst. Für die Anitra in "Peer Gynt" wählte Hübbecker den orientalischen Duft "Nuit Indiennes" von Scherer, für die Frau in Dario Fos "Offener Zweierbeziehung" das frische "Green Valley" von Creed, und für "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" das schwere, süße "Brit" von Burberry. Der Duft zur Rolle zeigt, wie ernst Hübbecker ihre Figuren nimmt. Sie ringt mit ihnen, erweckt sie zum Leben.

Eine Traumrolle hat die Schauspielerin nicht. "Man muss immer schauen, was psychologisch hinter einer Figur steckt." Die Hauptrolle in Ibsens "Hedda Gabler" würde sie reizen, eine komplexe Frauenfigur, die aus Langeweile Schicksal spielt, bis zum grausigen Punkt, an dem sie ihrem Geliebten eine Pistole reicht, damit er sich umbringt.

Eine Rolle im klassischen Sinne wird Hübbecker in ihrem ersten Soloprogramm "Alles renkt sich wieder ein" nicht spielen, aber sie wird eine Geschichte erzählen über die Liebe, über das Irren und Wirren zwischen Mann und Frau. Texte aus den Tagebüchern von Max Frisch wird sie dazu sprechen, und allerlei Lieder von Hildegard Knef bis Zarah Leander wird sie begleitet von Klaus-Lothar Peters am Klavier singen. "Das Ganze ist über Jahre gewachsen. Die Lieder sind mir über den Weg gelaufen", erzählt Hübbecker. Doch lange Zeit fehlte die verbindende Geschichte dazu, bis der Geschäftsführende Direktor des Schauspielhauses und kommissarische Intendant Manfred Weber sie auf Max Frisch gestupst habe. Jetzt ist aus dem Liederpotpourri eine Erzählung mit Musik geworden, eine Geschichte, die in der Provence spielt und über der ein mediterraner Duft von Zitronenverbene liegt.

Die Geschichten sind es auch, die Hübbecker am Herzen liegen. Aber vor die gut erzählte Geschichte hat sie die Textarbeit gesetzt. "Es ist reizvoll, Texte aufzudröseln, sie zu entschlüsseln, das Unausgesprochene zu finden." An der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch hat sie ihr Handwerk gelernt. "Acht Jahre war ich in Berlin, eine lange Zeit", sagt sie. Ist es da nach sieben Jahren in Düsseldorf Zeit für einen Aufbruch? "Im Moment ist alles in der Schwebe. Es hängt alles an dem neuen Intendanten, der kommen wird", sagt Hübbecker. Konkrete Pläne, Düsseldorf zu verlassen, habe sie nicht. Spätestens seit "Schneider Wibbel" ist sie ganz im Rheinland angekommen. "Ich fühle mich wohl hier." Doch nicht die Kö ist ihr Lieblingsort, sondern der Radweg hinunter nach Kaiserswerth. "Der Fluss und die Felder, das hat etwas Bodenständiges", sagt Hübbecker.

Vielleicht braucht es das Bodenständige als Gegenwicht zu dem flüchtigen Zauber des Augenblicks auf der Bühne. Für Hübbecker bedeutet das Theater absolute Gegenwart. "Oft rauscht das Leben so an uns vorbei. Im Theater kriegt man die Zeit besser gepackt. Für ein paar Stunden konzentrieren sich Zuschauer und Schauspieler nur auf eines. Das ist beruhigend."

Dass Hübbecker zum Theater kam, ist ebenso wenig Zufall wie die Wahl ihrer Parfüms. Die Suche nach der Wahrheit hat sie als Jugendliche in Darmstadt zum Theater gelockt. "Es muss mehr geben als mein kleines Selbst", sagte sie sich damals.

Sie hat sie gefunden, die Wahrheit. "Wenn ich an Texten arbeite, dann fange ich etwas ein, das wahr ist, in dem man sich erkennt, an dem man lernt oder das Trost spendet. Ich werde immer wieder fündig", sagt sie lachend. Man kann sich Claudia Hübbecker wohl als eine glückliche Schauspielerin vorstellen.

(RP)
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