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Tanzhaus NRW: Choy Ka Fai macht ein Tanzstück mit einem Geist

Uraufführung im Tanzhaus NRW : Künstler konzipiert Tanzstück mit einem Geist

Der Medien- und Performancekünstler Choy Kai Fai hat im Tanzhaus seine neue Produktion vorgestellt. „UnBearable Darkness“ hat er zusammen mit einem Geist konzipiert.

Kollaborationen zwischen zwei Künstlern sind im zeitgenössischen Tanz an der Tagesordnung. Die Zusammenarbeit von Künstlern gehört zum Mainstream der Arbeitsweisen. Wenn da nicht Choy Ka Fai wäre, der im Tanzhaus NRW mit dem Stück „UnBearable Darkness“ nun eine Kollaboration mit dem Geist des 1987 gestorbenen Tatsumi Hijikata vorlegt.

„Posthumane Choreografie“ und „paranormales Tanzerlebnis“ nennt der Singapurer das. Gleich zu Anfang wird ein Dokumentarfilm über Fais Reise nach Japan auf der Suche nach dem Geist von Hijikata auf einer über die gesamte Bühnenbreite reichenden Leinwand projiziert. Gegen Zahlung von 40 Euro nimmt eine Schamanin darin Kontakt zum Geist des Erfinders des Butoh-Tanzstils auf. Und des Meisters Geist zeigt sich gnädig, er gibt sein Placet für das Projekt, spendet Inspiration und will helfen, dass es gelingt. Im Gegenzug für die Hilfe ist im Zuschauersaal ein Platz frei für den Geist des Künstlers geblieben, dort liegen Kleidungsstücke und ein Apfel zur Stärkung.

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Auf der Bühne übernimmt der japanische Tänzer Pijin Neji die Rolle Hijikatas. Er trägt einen Motion-Capture-Anzug, der die Bewegungen seines Butoh-Tanzes erfasst und in Form eines Avatars auf die Leinwand bringt. So werden in fünf Stufen das künstlerische Leben von Hijikata nachgespielt, seine Inspirationen aufgezeigt und die Entwicklung des Butoh nachgezeichnet. Die Erfindung des Tanzes Butoh ist stark geprägt durch Hijikatas Suche nach einem „Tanz der Dunkelheit“, der das raue Leben von einfachen Menschen zeigt, wie es sein Vorbild Jean Genet beschreibt, und Krankheit sowie Tod thematisiert, aber auch das Tabuthema Homosexualität. Dadurch wollte er sich auch von den zwei herrschenden Tanzstilen seiner Zeit abheben, dem traditionellen japanischen Noh-Tanz und westlich orientierten Stilen wie Ballett.

Sperrig und rebellisch wie Butoh ist auch „UnBearable Darkness“ geworden. Man merkt, wie sehr sich Fai mit Hijikata und seinem Tanzstil auseinandergesetzt hat, zum Teil so sehr, dass man als nicht-informierter Zuschauer den Faden verliert. Fais Choreographie überzeugt trotzdem durch das teilweise sehr eindringliche Zusammenspiel von Tanz und Technologie. Doch über allem schwebt ja immer noch Hijikatas Geist, der zum Schluss als Bühnennebel entschwindet. Glauben muss der Zuschauer dieses spiritistische Schelmenstück natürlich nicht. Doch die Vorstellung, ein Geist habe an der Erarbeitung des Stückes seinen Anteil gehabt, gibt dem Stück eine im westlichen, rationalen Denken unbekannte Ebene.