Tanz wie zu Zeiten des Bauhauses

Düsseldorf: Tanz wie zu Zeiten des Bauhauses

Das Tanzstück "Trias - Das triadische Ballett" hat am 14. Januar im FFT Juta Premiere. Regisseur J. U. Lensing und Choreografin Jacqueline Fischer wagen eine Neuinterpretation von Oskar Schlemmers großem Vorbild.

Die Probe ist in vollem Gange. Die "Scheibentänzer", eine Szene aus dem dritten Akt. Zwei Tänzer in schwarzen Bodysuits und Legionärshelmen, die Gesichter und Oberkörper von einer überdimensionalen kreisrunden Scheibe optisch in zwei Hälften gespalten, bewegen sich mit synchronen Bewegungen aufeinander zu, mechanisch wie Puppen in einem Kriegsspiel. Eine dritte Tänzerin wartet an der Seite auf ihren Auftritt. Sie trägt eine verspielte schwarz-weiß gestreifte Figurine namens "Spirale", ein von der Charleston-Ära inspiriertes Kleid. Die Musik, ein treibendes Wummern von Cello, Klavier und Percussion, kommt heute vom Band, bei der Premiere am 14. Januar im FFT Juta wird sie live sein.

Die Kostüme der vier Tänzer machen noch Ärger, erzählt Regisseur J. U. Lensing. Zu schwer, zu klobig, manche reißen bei Bewegung ein. Oskar Schlemmer dürfte damals bei seinen Originalen mit ähnlichen Widrigkeiten gekämpft haben, vermuten Lensing und Choreografin Jacqueline Fischer.

1922 beschrieb der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner Schlemmer (1888-1943) sein Triadisches Ballett als Kunstform, "die mit dem Heiteren kokettiert, ohne der Groteske zu verfallen, und das Konventionelle streift, ohne mit dessen Niederungen zu buhlen". Für die Tänzer entwickelte er bizarr plastische Kostümkörper; Figurinen nannte er sie.

Das Düsseldorfer "Theater der Klänge" wagt nun mit "Trias - Das Triadische Ballett" eine Neuinterpretation von Schlemmers Stück; die erste seit fast 40 Jahren, über 90 Jahre nach der Erstaufführung. Denn durch konsequente juristische Intervention von Schlemmers Erben wurden die Rechte daran erst 2014 frei.

Schlemmer nutzte seinerzeit schlichte Materialien wie Pappmaché und Draht, auch aus der Not heraus; durch den Krieg gab es nicht viel. Bei der Uraufführung des Stücks 1922 stand er selbst mit einem befreundeten Tänzerpaar auf der Bühne, auch mal im Negligé seiner Frau.

Als Conférencier inszenierte Schlemmer sich gern selbst und als Clown. Sein Ziel war das Aufbrechen verkrusteter Tanztechniken, starrer Abläufe und immer gleicher Garderoben aus dem klassischen Ballett. Tanzlust und Freude an der Improvisation wollte er wieder wecken. Und seine raumgreifenden Figurinen, die bahnbrechenden Kopfgeburten eines Bildhauers, wollte Schlemmer in Aktion auf der Bühne sehen.

Gestützt auf Originalfotografien und Schlemmers rare choreografische Skizzen entwarf Lensing Figurinen wie den "Harlekin" und den "weißen Tänzer".

Das Theater der Klänge kehrt so weit wie möglich zu Schlemmers Entwürfen zurück, so wie er sie ursprünglich als Erweiterung von Ballettkostümen, Bühnenfiguren und auch Puppentheater entwickelte. Das Ganze möchten Lensing und Fischer noch mit dem glamourösen, freien Geist der wilden Zwanziger anreichern.

Ein ausgelassenes, zirkushaftes Bühnenfest ganz im Sinne des Bauhaus-Künstlers Schlemmer soll "Trias" werden. Die Proben versprechen da schon eine ganze Menge.

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