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Kleines Haus: Stück mit Arbeitslosen

Kleines Haus : Stück mit Arbeitslosen

Sie stehen in Reih und Glied ganz vorn auf der leeren Bühne. Nacheinander zählen sie auf, was jeder mit seiner vielen Freizeit anfängt: schlafen bis in die Puppen, 15 Kilometer Fahrrad fahren, bei Ikea frühstücken, sich in Vernissagen hineinschleichen, Todesanzeigen lesen, aus dem Fenster gucken. Eva sagt: "Wenn ich eine Schachtel Zigaretten geraucht habe, weiß ich, dass Nachmittag ist."

Die Düsseldorferin mit dem blonden Bubikopf gehört zu den vier Frauen und fünf Männern, die heute mit dem Theaterprojekt "Soll ich jetzt vielleicht weinen?" im Kleinen Haus Premiere haben. Mit den Regisseuren Julie Bräuning und Urs Peter Halter erarbeiteten die Laienschauspieler ein Stück über Arbeitslosigkeit, den Umgang mit dem Scheitern und die Suche nach Erfüllung, wenn mit der Vollbeschäftigung der Lebensinhalt verloren geht.

Die Collage vermischt Szenen aus Ödon von Horváths "Kasimir und Karoline" mit selbst verfassten Texten. "Wir forschten nach Anknüpfungspunkten in den Biografien und verteilten danach die Aufgaben", so schildert Julie Bräuning den Entstehungsprozess. "Unser Ziel war es, dass alle neun Schauspieler ihren besonderen Moment haben, in dem sie blankziehen, wie wir es im Theater nennen." Bei den Proben achteten die Regisseure darauf, das jeder sich öffnete, "aber weit entfernt von Selbsthilfegruppe oder Seelenstriptease".

Neben "echten" Arbeitslosen, die ihre Scham und ihre Ängste offenlegen, wirkt auch die 80-jährige Gisela Novak mit. Die fünffache Mutter wollte nach einem reichen Familien- und Berufsleben noch ihren großen Traum von der Bühne verwirklichen.

Kurz vor der Premiere ist Julie Bräuning so aufgeregt wie ihre Schauspieler. "Die Spannung steigt. Wenn das Ding anfängt zu fliegen und ich sagen kann, Leute, das gehört jetzt euch, ist das unglaublich beglückend."

Das Stück "Soll ich jetzt vielleicht weinen?" hat heute um 19.30 Uhr Premiere im Kleinen Haus. Weitere Termine: 28./29. Mai (Kleines Haus), 10. Juni (Junges Schauspielhaus). Kartentelefon: 0211 369911

(go)