Düsseldorfer Schauspieler: Stefan Gorski will nach Hollywood

Düsseldorfer Schauspieler: Stefan Gorski will nach Hollywood

Der aus Wien stammende Schauspieler zeigt derzeit als Romeo und als Mephisto, was in ihm steckt. Leonardo DiCaprio bewundert er.

Mit der grauen, in die Stirn gezogenen Mütze habe ich Romeo gar nicht erkannt. Wir sind beide zu früh zur Verabredung erschienen und sitzen nun schon eine Weile nur ein paar Meter voneinander entfernt im Oberkasseler Café Muggel. Jeder an einem Tisch. Kurz vor vier fällt dem Schauspieler ein, dass er nicht weiß, wie die Journalistin aussieht, die ihn interviewen will. Schnell googelt Stefan Gorski und erkennt sie, winkt, kommt herüber, verschenkt ein Lächeln und zeigt eine frisch erworbene Zahnlücke, die seinen Worte ein unnatürliches Zischen verleiht. Er ist noch nicht lange in Düsseldorf. Wir müssen einen Zahnarzt finden.

Er ist als Romeo leidenschaftlich, als Mephisto finster - mit Hang zur Rampensau. Sein Einstand mit diesen zwei bedeutenden Titelrollen darf als sehr gelungen gelten. Gut, anrührend, hinreißend spielt er die Rollen. Dabei ist er nach seinem Abschluss am renommierten Max-Reinhardt-Institut, im Sommer 2016, eigentlich noch ein Debütant.

Eigentlich. Denn während seiner Ausbildung hat er schon einiges gespielt, mehrmals bei Sommerfestspielen gastiert. Er war sogar schon einmal für den Nestroy-Preis nominiert. Jetzt hat ihn Intendant Wilfried Schulz für Düsseldorf gewinnen können. Und Schulz beweist abermals einen sicheren Instinkt für Menschen, die seinem Ziel dienen, das Theater aktuell, ereignisreich und unentbehrlich zu machen.

Gorski ist Wiener mit polnischen Wurzeln, hat in seiner Jugend kein Theater von innen gesehen. Leidenschaftlich gerne guckt er Fernsehen, heute noch mehr Youtube. Er träumt und empfindet große Neugier, die Welt zu schmecken. "Ich bin einer, der immer weiterzieht", sagt er. Dass er nach Hollywood will, zum Film. Das Theater aber nicht lassen will. Gegoogelt hat er, wie man Schauspieler wird, erfahren, dass man diesen Beruf erlernen kann. Er bewarb sich beim renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien und schaffte die Aufnahmeprüfung im zweiten Anlauf.

Diese anspruchsvolle Ausbildung hat er als Geburtsstunde empfunden. Es war die wichtigste Zeit im Leben. Am Seminar gewann er mit den Mitschülern seiner Klasse eine Art zweite Familie. Dort hat ihn besonders ein Lehrer wie eine autoritäre Vaterfigur auseinandergenommen, angeleitet, geprägt, geknackt. "Der hat mir einen Spiegel vorgehalten und bewiesen, dass ich nicht der war, der ich vorgab zu sein." Das Selbstverständnis als Rebell, die langen Haare, die vielen Ringe, die er an den Fingern trug. Fortan galt sein Leitsatz, den er zum künstlerischen Leitsatz erhebt: "Nicht verstellen will ich mich, sondern enthüllen. Ich bin einer auf der Suche nach Wahrhaftigkeit."

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Großartig findet Gorski Leonardo DiCaprio in der Verfilmung von "Romeo und Julia", oder Schwarzenegger als "Conan der Barbar". Da will er auch hin, gerne in Streifen wie "Stars Wars" oder "Herr der Ringe" eine tragende Rolle spielen. Jetzt aber widmet er sich erstmal ganzheitlich dem Theater, in Düsseldorf ist er schließlich für drei Jahre engagiert. "Mein Alltag ist Theater, bis zu 80 Prozent vom Leben nimmt der Beruf ein." Da bleibt keine Zeit für Lust und Laune. "Eigentlich schade", meint er. Die Stadt hat er noch nicht kennengelernt, aber immerhin eine kleine Wohnung in der Altstadt gefunden. Düsseldorf kannte er nur aus "TV-Total", von Stefan Raabs Klischees her, wenn er über die Landeshauptstadt abzog. Deutschland war ihm fremd.

Gorski sieht sich als Romantiker, sagt, er habe nah am Wasser gebaut. Gibt er etwas von sich preis, verschränkt er die Hände und knackt der Reihe nach mit seinen Fingern. Seine Freundin lebt weit weg in einer anderen Stadt, das Theater gibt ihm Wärme, der Intendant ist Vaterfigur. Und doch träumt Gorski von einer Zeit ohne Hektik, in der man das Handy ausschaltet, etwas Altmodisches tut wie Briefe schreiben und sich in die Sonne setzen kann. "Zeit anhalten für ein Jahr, das wäre schön."

Lampenfieber kennt Gorski nicht, Stoff lernen fällt ihm nicht schwer, Applaus empfindet er als warmen Regen. "Es ist schön zu sehen, dass Menschen etwas mitnehmen von dem Abend." Würde man Schauspieler heute noch in Fächer einteilen, dann landete er wahrscheinlich bei den jugendlichen Liebhabern. Das Schwere an Liebesszenen sei, intim und gleichzeitig groß zu spielen. Dass das Publikum in den hintersten Reihen das Knistern, die Liebe spüren kann. Aber er will auch seine andere Seite zeigen, böse sein. Er war glücklich, als man ihm den Mephisto in der aktuellen "Faust"-Inszenierung anbot.

Mit 25 steht Gorski die Welt offen. "Ich bin so neugierig auf Leben", sagt er, "ich komm' nur viel zu selten dazu." Eines haben wir aber doch noch geschafft nach dem Interview. Die Zahnlücke ist repariert.

(RP)
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