"Worringer Schlachten": Stadt-Theater von Nurkan Erpulat

"Worringer Schlachten" : Stadt-Theater von Nurkan Erpulat

Irgendwann geht es hinein in eines der Häuser am Worringer Platz. Enges, miefiges Treppenhaus. Oben drängen sich die Zuschauer in eine Diele. Die Tür zum Bad steht offen.

Dort sitzt ein Mann in Unterwäsche auf einer schäbigen Matratze und redet zu einem Gegenüber, das gar nicht da ist: Freundlich sehe dieser Unbekannte aus in seinem gepflegtem Hemd, wie einer der gut zu anderen Menschen ist und dazu gebildet. Bald wird klar, dass der Schauspieler auf der Matratze Sätze einer Prostituierten spricht. Er ist Stellvertreter einer realen Person in realer Kulisse — eine Möglichkeit, Kunst zur Erkundung der Wirklichkeit zu nutzen.

Nurkan Erpulat, Hausregisseur am Schauspielhaus, hat noch andere Formen ausprobiert, die Realität mit Kunst zu durchdringen. Sie werden im Februar zu erleben sein, wenn seine theatrale Stadterkundung "Worringer Schlachten" Premiere hat. Am Wochenende gab er schon einmal Einblick in diese Arbeit. Noch sind Regisseur, Schauspieler, Dramaturgen und eine Autorin auf Recherchetour am Worringer Platz.

Doch sie haben dort bereits zahlreiche Interviews geführt, mit Anwohnern, Geschäftsleuten, Flaschensammlern, Bettlern, Sozialarbeitern. Die eine schimpft über Ausländer und Alkoholiker, ein anderer über fehlende Parkplätze, und die nächste träumt von einer heilen Multikulti-Welt, in der Menschen diverser Nationen am Worringer Platz gemeinsam einen Brunnen bauen. Manche Aussage, die Erpulats Team protokolliert hat, ist erschreckend in ihrem naiven Rassismus, manche auch komisch in ihrer rheinischen Unbedarftheit. Spannend auch, wie Erpulat die Texte inszeniert, als Playback-Theater etwa. Da lehnen zwei Männer in einem Hinterhof aus dem Fenster und liefern die Mimik zu Originaltönen vom Band. Das überzeichnet und zeigt zugleich, dass da nicht nur Einzelpersonen sprechen, sondern Typen aus der Bevölkerung. Erpulat ringt noch mit der Form seines neuen Stückes. Doch so viel steht fest: Er wird das Publikum an den Worringer Platz führen, im öffentlichen Raum eine verdichtete Wirklichkeit inszenieren, den Blick der Düsseldorfer darauf lenken, welche sozialen Schlachten heute im Herzen ihrer Stadt geführt werden.

(RP/jco)