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Düsseldorf: Stadt rettet Schauspielhaus vor Insolvenz

Düsseldorf : Stadt rettet Schauspielhaus vor Insolvenz

In einer turbulenten Sitzung haben Düsseldorfs OB Dirk Elbers (CDU) und NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) die Spitze des Schauspielhauses wegen finanziellen Missmanagements entlassen. Die Stadt muss jetzt das Millionendefizit ausgleichen.

Die schwere wirtschaftliche Krise des Düsseldorfer Schauspielhauses hat Konsequenzen. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) und Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) haben gestern Schauspielchef Manfred Weber den Laufpass gegeben. Der langjährige Geschäftsführer, der das Theater seit rund einem Jahr übergangsweise auch künstlerisch leitet, scheidet zum 1. März aus. Bis zum Ende der Spielzeit 2015/16 wird Günther Beelitz das Theater als neuer Interims-Intendant führen. Der 1939 geborene Regisseur war bereits von 1976 bis 1986 Generalintendant in Düsseldorf. Ein neuer Geschäftsführer soll unterdessen die Finanzen des Hauses regeln. Zur Spielzeit 2016/17 soll ein neuer Intendant antreten.

Stadt und Land, die beiden Gesellschafter, beklagen erhebliche Mängel in der Geschäftsführung des Schauspielhauses. Sie waren dem Aufsichtsrat in Zusammenhang mit einem Millionendefizit im vergangenen Jahr bekannt geworden. Im Mai hatte Geschäftsführer Weber ein Defizit von 5,4 Millionen Euro für den Jahresabschluss 2012 angemeldet. Das Minus war so groß, dass das Haus zeitweise vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Stadt und Land mussten schließlich eingreifen und das Defizit mit Sonderzahlungen von je 2,7 Millionen Euro begleichen. Die Gesellschafter gehen von weiteren Defiziten in diesem und im kommenden Jahr aus.

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Weil Geschäftsführer Weber Rückfragen nicht schlüssig beantworten konnte, regte die Ministerin eine Prüfung des Hauses an. "Der Untersuchungsprozess warf immer wieder neue Fragen und Probleme auf", berichtete Schäfer gestern bei einer Pressekonferenz im Schauspielhaus, zu der die Gesellschafter kurzfristig eingeladen hatten. Die Prüfung habe deutlich länger gedauert als geplant. "Das ist der Komplexität der Vorgänge geschuldet, vor allem aber der Tatsache, dass es erhebliche Defizite im Rechnungswesen und Controlling gibt", sagte Schäfer. Deshalb habe man sich zur "einvernehmlichen Trennung" von Weber entschlossen.

Dem Theater steht nun eine Übergangszeit von zwei weiteren Jahren bevor. Seit Intendant Staffan Holm im November 2012 wegen eines Burn-outs seinen Abschied erklärte, suchen Stadt und Land nach einem neuen Intendanten. Zunächst war eine Findungskommission gescheitert, weil Namen von Bewerbern bekannt wurden. Nun liegt die Suche in der Hand weniger Spitzenbeamter. Angesichts der massiven Wirtschaftsprobleme sei es aber derzeit nicht möglich, einen neuen Leiter zu finden, sagte Oberbürgermeister Elbers. "Wir bekommen keine starke Persönlichkeit."

Der erfahrene Theatermann Beelitz soll nun zunächst Ruhe in das Schauspielhaus bringen. Er wird in der kommenden Spielzeit den Spielplan umsetzen, den Weber vorbereitet hat. Dessen künstlerisches Konzept war viel gelobt worden: Es war ihm bereits in dieser Spielzeit gelungen, mit populäreren Stoffen die zuletzt dramatisch gesunkene Auslastung zu verbessern. Der neue Geschäftsführer Alexander von Maravic, Jahrgang 1949, hat unterdessen die Aufgabe, mit Hilfe von Beratern die kaufmännische Verwaltung zu verbessern, um die neue Intendanz vorzubereiten. Maravic war bis 2011 Geschäftsführender Direktor der Oper Leipzig.

Den 300 Mitarbeitern des Schauspielhauses verkündeten Schäfer und Elbers ihre Entscheidung bei einer Belegschaftsversammlung. Die Mitarbeiter hatten sich noch am Wochenende in einem offenen Brief für Weber ausgesprochen und "kulturpolitische Machtkämpfe auf dem Rücken des Theaters" kritisiert. Schäfer sagte, sie habe Verständnis für das Schreiben. "Es gibt keine Kritik der Träger des Theaters an der Qualität der künstlerischen Arbeit."In einer turbulenten Sitzung haben Düsseldorfs OB Dirk Elbers (CDU) und NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) die Spitze des Schauspielhauses wegen finanziellen Missmanagements entlassen. Die Stadt muss jetzt das Millionendefizit ausgleichen.

(RP)