Sprachkritiker ist Fans des Sängers: Bastian Sick würdigt Udo Jürgens

Sprachkritiker ist Fans des Sängers : Bastian Sick würdigt Udo Jürgens

Der Sprachkritiker widmet dem Sänger einen Abend in Düsseldorf.

Manchmal geht alles viel leichter als gedacht. Die Düsseldorfer Journalistin Irene Dänzer-Vanotti wollte Udo Jürgens zu dessen fünftem Todestag am 21. Dezember mit einer Gedenkveranstaltung würdigen. Schlagertexter Tobias Reitz war in ihre Pläne eingebunden. Ihm offenbarte sie einen Herzenswunsch: Wie herrlich es doch wäre, dafür Bastian Sick zu gewinnen. Dem Hamburger Autor, bekannt als komödiantischer Sprachkritiker („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“), war 2007 mit „Lieder voller Poesie“ eine viel beachtete CD gelungen: eine Sammlung seiner Lieblingslieder von Udo Jürgens, versehen mit persönlichen Kommentaren. Tobias Reitz sagte: „Ich frag’ ihn mal.“ Die beiden kannten sich, so dass es wenig Mühe kostete, Bastian Sick zu einem Auftritt zu Ehren seines größten Idols zu bewegen.

Bei dem Abend „Udo Jürgens – der unterschätzte Künstler“ in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf möchte Sick einen neuen Zugang zum Werk des Komponisten und Sängers nahelegen. Irene Dänzer-Vanotti und Tobias Reitz moderieren diese Premiere.

Angefangen mit Bastian Sicks Begeisterung für Udo Jürgens hat es im Elternhaus, wo es Schallplatten mit den Siegertiteln des Grand Prix d‘Eurovison gab, darunter „Merci Chérie“ von 1966. „Unser Plattenspieler mit Plexiglasdeckel hieß bei uns Schneewittchensarg“, erzählt Sick. „Als ich ins Schulalter kam, durfte ich ihn selbständig benutzen und legte schon damals Udo Jürgens auf.“ Er weiß noch genau, was ihn so faszinierte: „Es war nicht nur die Stimme, sondern die Art der Artikulation. Jeder Konsonant wurde prononciert, allein dadurch bekam das Wort eine Musikalität, ohne dass er es singen musste.“ Seine Freunde stuften die Lieder als Schnulzen ein, sie favorisierten Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen. „Ja, aber diese Leute verstehe ich nicht“, konterte Bastian Sick. „Und was ich nicht verstehe, gefällt mir auch nicht.“

In einem Holzkästchen bewahrt er noch heute alle Konzertkarten auf. 1987 sah er Udo Jürgens erstmal live auf der Bühne. Und während sich Gleichaltrige dem englischen Pop und der Rockmusik zuwandten, blieb er seinem Geschmack treu und hatte mit Mireille Mathieu bald noch eine zweite Flamme. „Meine zwei Helden“, sagt er.

Mit „Lieder voller Poesie“ erfüllte sich für Bastian Sick „der Traum eines jeden Fans“. Nach dem ersten „Dativ“-Buch wurde er bei Interviews auch nach seinen sprachlichen Vorbildern gefragt. „Zur allgemeinen Verwunderung führte ich weder Schiller noch Goethe noch Busch an, den Gefallen tat ich ihnen nicht“, berichtet er. Stattdessen pries er die Lieder von Udo Jürgens und deren besonders poetische Form im Umgang mit der deutschen Sprache. Dieses Bekenntnis rauschte durch den Blätterwald, so dass die Plattenfirma mit der CD-Idee auf ihn zukam. Bei den 19 Titeln hatte Udo Jürgens ein Mitspracherecht. Zur Originalversion von „Merci Chérie“, die Jürgens nie wieder zugelassen hatte, weil er sie nicht kraftvoll genug fand, musste Bastian Sick ihn erst mit Engelszungen überreden: „Für mich ist das die Geburtsstunde des deutschsprachigen Chansons“, argumentierte er, „Sie singen das so anmutig.“

Wann und wie hört er heute Udo Jürgens? „Auf meinem iPod sind mehrere Playlists, darunter ein Cabrio-Mix. Oft suche ich gezielt nach einem Lied.“ Auch den Film „Ich war noch niemals in New York“ will er sich bald anschauen, „wegen der wundervollen Schauspieler und der großartigen Musik“, sagt er. „Die kann man nicht verhunzen.“

Info "Udo Jürgens - der unterschätzte Künstler" mit Bastian Sick; Donnerstag, 28. November, Beginn ist um 18 Uhr in der Evangelischen Stadtakademie, Bastionstraße 6; der Eintritt kostet sechs Euro.