1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorf: Sparkommissar mit Liebe zur Kunst

Düsseldorf : Sparkommissar mit Liebe zur Kunst

Im Museum Kunstpalast hat Harry Schmitz das Sparen eingeführt, um den Etat von 13,5 auf zehn Millionen zu senken.

Männer wie Harry Schmitz sind wegen ihres Auftrags in Unternehmen nicht sehr beliebt. Als Sparkommissar kam Schmitz 2012 vom Nachbarn und Sponsor Eon ins Museum Kunstpalast, um die Kosten zu senken. Den Jahresetat sollte der Ökonom von 13,5 Millionen Euro auf zehn Millionen eindampfen, idealerweise zügig und ohne Qualitätsverluste in der Ausstellungspolitik. Das mag wie die Quadratur des Kreises klingen. Doch Schmitz ging die Aufgabe beherzt an und reüssierte. Jetzt hat man ihn neben dem künstlerischen Direktor Beat Wismer offiziell zum kaufmännischen Vorstand auf weitere fünf Jahre gewählt. Ebenso berief das Kuratorium Oberbürgermeister Thomas Geisel zu seinem neuen "geborenen" Vorsitzenden.

"Zahlen sind mein Ding", sagt Schmitz, der 1967 in Frankfurt am Main geboren, in Nürnberg aufgewachsen und Sohn eines Kämmerers ist. Aber auch der Kunst gilt seine Neugier - das fügt sich gut. In seinem spartanisch ausgestatteten Büro am Ehrenhof hängt ein einziges Kunstwerk an der Wand, der Maler Günter Fruhtrunk steht programmatisch für seine Vorliebe zur konkreten Kunst. Im Museum selbst ist demzufolge sein Lieblingsort der Saal IV - neben den Konkreten hängen in diesem ruhigen, von seidigem Oberlicht beschienenen Raum auch Werke von Nagelkünstler Günther Uecker und von dem informellen Maler K. O. Götz.

Wie spart man im Museum, ohne substanzielle Verluste in Kauf zu nehmen? "Es ist nicht jeden Tag lustig, Leuten die Budgets zu kürzen", räumt Schmitz ein und berichtet, wie er vorgegangen ist. Dabei galt die Prämisse: Was tut am wenigsten weh? Von externen Unternehmensberatern lag ein Restriktionsprogramm auf dem Tisch, man hat erst einmal die eigenen Mitarbeiter befragt, wo Potenziale liegen. Dann hat Schmitz den Rotstift angesetzt. Die Zauberformel: bessere Planung.

Marketing- und Presseabteilung wurden zusammengelegt, diese große und wichtige Abteilung leitet jetzt Marina Schuster. Das Personal soll von 66 auf 50 Festangestellte reduziert werden. Im Ausstellungsbau setzte Schmitz Einsparungen durch, beim Druck von Katalogen, bei der Anzahl der Veröffentlichungen und beim Ausleihen von Werken für Ausstellungen. Wird ein Bild aus Übersee weniger antransportiert und versichert, kann das bis zu 20 000 Euro Ersparnis bringen. Auch Klimaanlage und Bewegungsmelder wurden neu justiert. Selbst wenn es kleinlich erscheinen mag, so hat er doch auf die Reinigung der Büros geschaut. Jetzt werden die Räume der Verwaltung und der Sammlung statt täglich nur noch zwei Mal in der Woche gereinigt, was 30 000 Euro einspart.

Die Besucherzahlen und die daraus zu verbuchenden Einnahmen spielen eine Rolle in der Jahresbilanz. Derzeit hat die Ausstellung von Katharina Grosse schon weit mehr als 10 000 Besucher gezogen. Doch in der Sammlung ist der Besuch mau. Seit Jahren bleibt nun schon der Sammlungsflügel teilweise geschlossen, weil sich die Gutachter um das undichte Dach streiten. Unterm Strich bedeutet das Mindereinnahmen und Imageverlust. Mit Kritik hält sich der Diplom-Kaufmann vornehm zurück. Aber klar ist: "Die Attraktivität der Sammlung leidet, weil wir sie nicht umfassender zeigen können. So lässt die Erinnerung an unsere kostbare Sammlung Monat für Monat weiter nach". Das sei bedauerlich, aber man will sich arrangieren. Schmitz wünscht sich auch eine erweiterte Gastronomie, um die Attraktivität des Hauses zu erhöhen. "Unser Ziel ist es, den Belvederebogen (unter der Aurora) zu nutzen, dazu wollen wir mit der Bauverwaltung buchstäblich tragbare Konzepte erarbeiten".

Harry Schmitz gehört unbedingt zur bunten Kulturszene von Düsseldorf dazu. Er fühlt sich wohl in der Kunststadt und genießt das Angebot von Ballett und Tonhalle.

(RP)