Sonderausstellung im Hetjens: Zwischen Porzellan und Blumenduft

Sonderausstellung im Hetjens : Zwischen Porzellan und Blumenduft

Das Hetjens feiert Jubiläum mit gleich zwei Ausstellungen: Das Rokoko und Blumendesigns schmücken das Museum.

Porzellan. Edelholz. Asien- und Orientmode. Möpse. Liebe. Das alles ist das Rokoko, eine Stilrichtung der europäischen Kunst im 18. Jahrhundert. Zum 110-jährigen Bestehen präsentiert das Hetjens in der Sonderausstellung „Luxus, Liebe, Blaue Schwerter“ diese Extravaganz im Palais Nesselrode. In sechs Kabinetten werden Porzellan, Gemälde und Möbel zu einem Gesamtkunstwerk dieser Epoche. Sie entstammen aus Privatsammlungen, der Galerie Röbbig und dem Hetjens. Begleitet werden die Besucher am 21. und 22. September von einem intensiven Blumenduft: Denn gleichzeitig zeigen Floraldesigner aus Düsseldorf und Umgebung Blumenarrangements.

Porzellan-Wahnsinn – so bezeichnete August der Starke selbst seine Leidenschaft für das sogenannte „weiße Gold“. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er 1710 die Meissener Porzellanmanufaktur gründete, die Marke der gekreuzten blauen Schwerter. Ein Teeservice im Reisekoffer von etwa 1726 ist in einer Glasvitrine zu sehen. „Das gehörte für die höfischen Kreise damals dazu“, sagt Kurator Wilko Beckmann, während er durch das erste Kabinett der Sonderausstellung führt. Er finde es schade, wenn das Porzellan hinter den Glasscheiben etwas steril herüberkommt. Denn so wurde es damals nicht behandelt. Ein dreiteiliger Tischbrunnen zum Beispiel stand auf den Tafeln der Habsburger. Durch ihn floss duftendes Rosenwasser. „So hat man sich bei Tisch die Fingerspitzen gesäubert“, sagt Beckmann.

Im zweiten Kabinett dominiert die Chinoiserie, die Begeisterung für die chinesische Mode. „China war damals ein Sehnsuchtsort, die ideale Lebensform“, sagt Beckmann. Zu sehen sind einige chinesische aber auch japanische Figuren aus Porzellan, sogenannter Tafelschmuck. „Sie sollten die Gesellschaft anregen, sich auszutauschen“, sagt Beckmann. Auch ein Tischchen der Manufaktur Roentgen zeigt ein Bild mit chinesischen Figuren.

Besonders interessant sind auch Tabatieren, die sich mit steigendem Konsum von Schnupftabak ab dem Ende des 17. Jahrhunderts verbreiteten. In ihnen wurde aber nicht nur Tabak aufbewahrt. Sie waren auch modisches Accessoire und ein Mittel der Kommunikation. „Sie wurden teilweise täglich auf die Mode abgestimmt“, sagt Beckmann. Außerdem waren in ihre Deckel oftmals Portraits oder erotische Darstellungen gemalt. So konnten also intime aber auch durchaus politische Botschaften überbracht werden. Und auch der Mops fand seinen Platz auf den kleinen Porzellandosen. „Er war der Lieblingshund der damaligen Gesellschaft“, sagt Beckmann. Er diente auch als Erkennungszeichen einer Geheimgesellschaft: dem Mopsorden. „Er war das Gegenstück zum Freimaurerorden“, sagt Beckmann.

Im 18. Jahrhundert herrschte nicht nur eine Vorliebe für China, sondern auch für den Orient. Ein weiteres Kabinett ist daher der Orientmode gewidmet. Auch dort gibt es Porzellan, Möbelkunst und Malerei zu sehen. Gefertigt aus Meissener Porzellan gibt es dort einen Sultan auf einem Elefanten. Auffällig: Die Ohren und Augen des Elefanten ähneln stark denen eines Menschen. „Das liegt daran, dass Peter Reinicke, der das Modell entwarf, nie einen echten Elefanten gesehen hatte“, sagt Beckmann. Er kannte nur Kupferstiche. Die Wände sind außerdem geschmückt mit zwei Ansichten Konstantinopels von Johann Alexander Thiele.

Für das 21. Jahrhundert durchaus moderne Porzellan-Designs finden sich im fünften Kabinett. Dort ist erneut ein Teeservice im Koffer ausgestellt. Es ist mintgrün und mit Blumen verziert. Das Dekor stammt von Kakiemon, einer chinesischen Manufaktur. Unterstrichen wird diese Flower Power von der zeitgleichen Ausstellung „Blumen, Liebe, Pure Schönheit“. „Blumen gehören als lebendes Kunstwerk überall hin“, sagt Susanne Schmitt, die für die Konzeption und Idee der Ausstellung verantwortlich ist.

Und zum Schluss wird das Porzellan auch von den Glasvitrinen befreit: Unter einem Pavillon steht ein gedeckter Tisch. „Den Auftrag für das Porzellangeschirr erteilte Friedrich der Große“, sagt Beckmann.

Mehr von RP ONLINE