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Solotänzerin Sabine Seume tritt in Düsseldorf auf

Solotänzerin Sabine Seume : Allein in die Unendlichkeit

Sabine Seume stand neun Jahre lang nicht mehr als Solotänzerin auf der Bühne. Mit der Aufführung „Infinity“ bricht sie den Bann – und widmet sich auch wieder ihrer Leidenschaft, dem Butoh.

Neun Jahre nach ihrer letzten Soloperformance steht Sabine Seume mit ihrem neuen Stück „Infinity“ wieder allein auf der Bühne. Premiere feiert die Tänzerin und Choreografin am Freitag (21. August) im „Atelier Performative Künste“ von Susanne Weins in Kaiserswerth.

„Infinity“ (Unendlichkeit) ist ein Thema, das die Düsseldorferin schon eine ganze Weile beschäftigt. „Es ist die Grundfrage danach, gibt es einen Anfang, gibt es ein Ende, sowohl in der Bewegung als auch im Leben“, sagt Sabine Seume über die Ideenfindung für ihr neues Solostück.

Bekannt wurde sie durch ihre Interpretation des Butoh – einer Tanzform, die in Japan ihre Wurzeln hat. Entstanden in den 1960er Jahren als eine Art Gegenbewegung zum damals angesagten Modern- und Jazz-Dance, aber auch zum klassischen Ballett. „Die Tänzer haben rebelliert. Die Thematiken waren anfangs sehr politisch, bezogen auf den Zweiten Weltkrieg und das Trauma von Hiroschima und Nagasaki“, sagt die Dozentin für Tanz. „Danach wurde Butoh grotesk und pantomimisch.“ Im Laufe der Jahre habe die Tanzform sich dann sehr gewandelt, sei mal sinnlich, dann wieder brutal, mal feminin, mal mehr maskulin geprägt. „Butoh kann abbilden, was den Menschen ausmacht“, so Seume.

Als Absolventin der Folkwang-Hochschule in der Zeit unter Pina Bausch zog es die gerade Anfang Zwanzigjährige in die Schweiz. Dort tanzte Sabine Seume auch ihr erstes Solo. „Danach sprach mich ein Ballett-Direktor in St. Gallen an und meinte, was sie da machen, ist Butoh.“ Bis zu diesem Zeitpunkt habe sie noch nie etwas davon gehört. Neugierig geworden, begann Seume mit der Recherche und besuchte Butoh-Workshops. Carlotta Ikeda holte das Nachwuchstalent zu ihrer Butoh-Company „Ariadone“ nach Japan. Eine Zeit, die Sabine Seume nachhaltig geprägt und verändert hat: „Mich hat die japanische Lebensweise fasziniert, die Einfachheit, die sich auch in der Architektur, in den Gärten und der Puristik des Essens zeigt“, resümiert die Düsseldorferin. Das habe auch ihre Performances beeinflusst: Es sei die Reduktion, das genaue Hinschauen, Hineinspüren und schnörkellose Arbeiten, was bis heute für sie nichts an Faszination verloren habe.

Doch es gibt noch jemanden, der großen Einfluss auf Sabine Seume hatte: Pina Bausch. Im letzten Studienjahr ihrer Ausbildung an der Folkwang-Hochschule hatte sie der Choreografin vorgetanzt. „Sie sagte zu mir: Sabine – ich würde dich gerne nehmen, aber du bist mir noch viel zu jung“, erinnert sie sich. „Das fand ich eine gute Aussage. Ich merkte ja selbst, in ihrer Company hätte ich mit gerade 20 Jahren nicht mithalten können“.

Die Mentorin habe sie immer sehr geschätzt für „ihre nachdenkliche stille Art. Pina Bausch konnte dasitzen und minutenlang nichts sagen. Man merkte aber, es arbeitet in ihr“. Diese Ruhe kenne sie auch von sich selbst, sagt die Tänzerin und Choreografin. Sie versuche, diese innere Gelassenheit an ihre Studenten und Studentinnen der Fliedner-Fachhochschule in Kaiserswerth weiterzugeben. „Ich sage ihnen, schaut was aus euch herauskommt. Das ist Butoh. Die Frage nach dem Grund, der Essenz.“

Nach ihrem letzten, 2011 aufgeführten Solostück, stürzte sich Sabine Seume in Produktionen in Prag, tanzte, inszenierte und choreografierte, arbeitete mit ihrer eigenen Kompanie. Irgendwann kam der Punkt zum Innehalten, Zurückschauen, Bilanzieren und sich Sammeln. Drei Jahre nahm sich Seume Zeit, um sich über ihren weiteren Weg klar zu werden. Wo sollte es hingehen? Wie sollte sie weitermachen? Da war es wieder – das Grundelement des Butoh: „Nach Gründung meiner eigenen Company war ich ganz klar draußen, war als künstlerische Leiterin diejenige, die alles im Auge behalten musste, aber nicht mehr mitten im Geschehen auf der Bühne“, erinnert sie sich. Während ihrer Auszeit war dann plötzlich der Moment, in dem ihr klar wurde: „Ja, ich möchte wieder auf die Bühne“ und diesmal wieder allein: „Solo zu tanzen ist für mich etwas sehr Wertvolles. Ich bin ganz ich selbst. Es ist mein Tanz, meine Bewegung und ich bin auf mich selbst zurückgeworfen ihn zu gestalten“.