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Solo-Programm von Panni Néder beim Asphalt-Festival

Unerwarteter Abend auf der Seebühne : Therapiesitzung mit wachsender Verzweiflung

Die Regisseurin und Schauspielerin Panni Néder vom Künstlerduo „soMermaids“ bot ein Solo-Programm auf der schwimmenden Seebühne beim Asphalt-Festival.

Auch in diesem Jahr erweist sich die Seebühne als Publikumsrenner des Asphalt-Festivals. Lange vor Beginn tauchen die ersten glücklichen Kartenbesitzer am Schwanenteich auf, sichern sich einen Deckchair in der ersten Reihe und genießen den Blick über das Gewässer mit einem Drink.

Mit dem Auftritt der Gruppe „soMermaids“ sollte die Wasserplattform selbst zum Thema werden, zu einer humorvoll belebten „Insel der Einsamkeit“. Doch es kam anders. Kaum hatten die Schwäne ihren eleganten abendlichen Abgang zelebriert, näherte sich ein einsames Kanu. Am Ruder: die Regisseurin Panni Néder. Auf der Bühne angekommen, übernahm sie sofort den Part ihrer Kollegin, der Schauspielerin Adrienn Bazsó. Diese sei „aus Gründen höherer Gewalt“ nicht verfügbar, enthüllte Néder dem überraschten Publikum. Deren Material wollte sie allerdings auch nicht verwenden, sondern einen „wertvollen Theaterabend über performatives Scheitern“ präsentieren.

In einen Knittersack kriechend, heischte sie zunächst Solidarität und Mitgefühl von der Uferseite ein. Um dann eine Therapiesitzung in Sachen Selbstentblößung zu starten, die sich gewaschen hatte. Eine halbe Stunde lang durfte man darüber staunen, was so alles in Leib und Seele der 24-jährigen Ungarin steckt, die seit zehn Jahren in Berlin lebt: Eine Menge nicht kleiner werdender Fremdheit, wachsende Verzweiflung, Verlassenheitsängste. Dazu ein unstillbarer Drang nach Anerkennung durch ihr Publikum. Zwei Briefe bestimmten dann den restlichen Abend, der beinahe quälend ausfaserte. Der erste Brief, von einer Zuschauerin gelesen, hielt die sommerliche Stimmung noch in angenehmer Balance.

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Der zweite aber war ein nie abgeschickter Brief Néders an die eigene Mutter. Sie wünscht der Frau, die ihr das Leben schenkte, mehr als nur die Pest an den Hals. Am liebsten sähe sie ihre Mutter, immerhin gedenken wir in seinem 700. Todesjahr des großen Dante und seiner „Göttlichen Komödie“, in den innersten Kreis der Hölle verdammt. Was da an aufgestautem und sich in ständig wiederholten Fluchkaskaden entladendem Kindertrauma von der Seebühne über Kopfhörer ans Ufer drang, war nicht leicht auszuhalten. „Ein ehrliches und berührendes Aufeinandertreffen von Publikum und Akteurinnen“ hatte der Programmzettel versprochen. Allgemeine Ratlosigkeit und zögernder Applaus für das tapfere Solo hielten sich am Ende die Waage.