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Seit zwei Jahren leiten Künstler den „Neuen Kunstraum“ im Salzmannbau

Kunst in Selbstverwaltung : Eine Lanze für die Künstler-Kuratoren

Vor zwei Jahren übergab das Kulturamt Künstlern den „Neuen Kunstraum“ im Salzmannbau. Das Experiment hat nun Halbzeit – eine Bilanz.

Vor vier Jahren ließ der Kunsttheoretiker Stefan Heidenreich ein Donnerwetter los. Er forderte die Abschaffung der Ausstellungsmacher an den Museen. Kuratieren sei „undemokratisch, autoritär und korrupt.“

Zwei Jahre später bezeichnete der Bildhauer Thomas Schütte in einem Zeitungsinterview die Museen als Versorgungsanstalten, während 96 Prozent der Künstler eben nicht von ihrer Arbeit leben könnten. Zeitgleich übergab das Düsseldorfer Kulturamt den Künstlern Katharina Maderthaner, Christian Schreckenberger, Detlef Klepsch und Anne Schülke den Schlüssel für den „Neuen Kunstraum“ im Salzmannbau. Die Maler, Medien- und Objektkünstler hatten darum gebeten und verpflichteten sich freiwillig, vier Jahre die Auswahl und Organisation der Ausstellungen zu übernehmen. Ihr Experiment hat Halbzeit. Welche Erfahrungen machten sie? Welche Empfehlungen geben sie?

Sie leisten die doppelte Arbeit, sind Künstler und Kuratoren. Sie betreuen einen Etat von 85.000 Euro, der bis dahin an eine inzwischen pensionierte Mitarbeiterin aus dem Kulturamt ging. Das Geld fließt in keine Galerie und kein öffentliches Institut, sondern direkt zu den Künstlern. Deshalb erklärt Katharina Maderthaner spontan: „Wir arbeiten wahnsinnig effektiv und pflegen den direkten Draht zu den Kollegen auf Augenhöhe. Wir delegieren nichts. Dafür geben wir den Künstlern ein Honorar.“

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Die Künstler-Kuratoren bekommen ihr erstes Kompliment von der Kollegin Angela Fette, die sich in der jüngsten Ausstellung mit Gemälden in sensiblen Farben und humorigen Tiefenstaffelungen revanchierte. Sie sagt: „Wir Künstler brauchen keine konstruierten Pseudodiskurse. Dieses ,erwachte' Bewusstsein für mangelnde soziale Gerechtigkeit und Rassismus ist zwar berechtigt, aber vorrangig für Historiker und Soziologen interessant. Wenn eine Institution Texte herumschickt, was ihre Ausstellung alles bedeutet, dann ist etwas faul. Wir müssen weg von der Sprache und hin zum starken Bild. Künstler wissen, was Künstler brauchen. Im ,Neuen Kunstraum’ ist alles unkompliziert, es herrscht eine gute Stimmung. Da macht einfach alles mehr Spaß.“

Ihr Appell gilt auch den Künstlern: „Die Deutungshoheit über die Kunst haben die Kuratoren an sich gerissen. Sie bestimmen, was gesellschaftlich relevante Kunst ist. Und die Künstler haben es sich gefallen lassen. Sie müssen selbst Verantwortung übernehmen. Im ,Neuen Kunstraum’ erobern sie sich die Definitionsmacht zurück.“ Zugleich ermahnt Fette die Museen: „Wenn Künstler mit Künstlern arbeiten, entfällt die Einflussnahme der Galeristen. Kuratoren machen ja kaum oder gar keine Atelierbesuche, sondern holen sich Lobbyisten als Berater. Wenn Museen weder etwas ankaufen noch eine gute Stimmung verbreiten, dann stimmt etwas nicht.“

Christian Schreckenberger, der zugleich Professor an der Folkwang-Universität in Essen ist, wünscht sich von den Museen kürzere Ausstellungszeiten. Er sagt: „In der Kürze liegt eine gewisse Würze. Bei einer dichteren Abfolge von Ausstellungen können die Besucher einfach mehr Kunst erleben. Und die Museen haben die Chance, auch etwas spontaner zu arbeiten.“ Der „Neue Kunstraum“ habe 27 Künstler in vier Ausstellungen innerhalb der letzten vier Wochen gezeigt. Das sei gut angekommen. Besucher seien sogar aus Städten wie Bonn, Wuppertal oder Essen bekommen.

Eine weitere Empfehlung Schreckenbergers gilt einer besseren Mischung der Künstler: „Es sollte mehr Verbindungen zwischen jungen, unbekannten Künstlern und bekannten geben. Also auch einmal in der Regionalliga suchen, ein Erstsemester auswählen oder einen Künstler, der in Köln studiert hat. Das freut auch die Künstler aus der Oberliga.“ Die junge Linda Skellington etwa ist 21 Jahre alt, studiert bei Franka Hörnschemeyer und zauberte jüngst auf einer Einmal-Tischdecke ein Spiel mit Masken, Puppen, Siebenmeilenstiefeln und einer intuitiv erzeugten Farbmalerei herbei. Und Maja Hernik holte sich ihre rotzfrech und schnell von einer Dating-App abgemalten Bilder vom Handy. Die komischen Selfie-Posen ihrer liebesdurstigen Männer lagen in keinem Trend, sie übermittelte sie mit einer gehörigen Portion Ironie.

Einen besonderen Erfolg sieht Katharina Maderthaner in den neuen Freundschaften: Nach den Gruppenausstellungen planen die ersten Künstler, auch andernorts gemeinsam auszustellen. Wo die Hierarchien fallen, wächst die Kommunikation untereinander. Dennoch hat das Modell nur dann Erfolg, wenn nach 2023 weitere Künstler mit Idealismus und organisatorischem Talent zur Verfügung stehen. Man darf gespannt sein.