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Düsseldorf: Schwarzer Tee für den kleinen Muck

Düsseldorf : Schwarzer Tee für den kleinen Muck

In diesem Advent ist Wilhelm Hauffs "Der kleine Muck" das große Familienstück des Jungen Schauspielhauses. Morgen hat die Inszenierung von Christof Seeger-Zurmühlen im Central Premiere. Teresa Zschernig spielt die Hauptrolle.

Hätte sich der kleine Muck hier etwa wohlgefühlt? Orientalische Musik läuft im Hintergrund, Teresa Zschernig bestellt einen schwarzen Tee. So wie viele Gäste im Simit Sarayi, einem türkischen Restaurant in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes. Die Bedienung und die Gäste des Cafés schauen freundlich zu ihr rüber, niemand will sie ärgern. Auch ihr Kopf ist nicht zu groß geraten, noch trägt sie Lumpen. In ihrer Rolle als orientalische Märchenfigur, der kleine Muck, muss sie auf der Bühne dagegen schon die ein oder andere Hänselei ertragen.

Die 27-Jährige Berlinerin ist seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied am Jungen Schauspielhaus. Im Familienstück "Der kleine Muck", das morgen Nachmittag um 17 Uhr im Central Premiere feiert, hat sie die Hauptrolle übernommen und spielt den kleinwüchsigen Sonderling aus dem Orient. Die Erzählung vom kleinen Muck ist die Geschichte eines Außenseiters, der sich nichts sehnlicher wünscht, als geliebt zu werden. Deshalb macht er sich nach dem Tod seines Vaters auf die Suche nach Glück, Zuneigung, und neuen Freunden. "Es ist ein Stück für die ganze Familie", sagt die Darstellerin.

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Schon als kleines Kind hat Zschernig die Geschichte des kleinen Muck begeistert. "Ich habe Märchen wie dieses geliebt." Seit zwei Monaten probt sie nun mit dem Ensemble des Jungen Schauspielhauses sechs Tage in der Woche für das neue Stück. Acht Stunden verbringt die junge Schauspielerin dafür täglich bei der Probe, am Samstag kommen fünf weitere hinzu. "Da ich als kleiner Muck stets einen riesigen Medizinball auf dem Kopf tragen muss, und das bei jeder Probe, kann das manchmal schon sehr anstrengend sein", sagt sie. "Vor allem wenn einem dann auch noch stundenlang darauf herumgeschlagen wird."

Die kulturbegeisterte Schauspielerin nimmt diese Zumutung für die Rolle aber gerne in Kauf: "Wenn ich bei den Aufführungen dann die Begeisterung der Kinder erleben darf, dann weiß ich wieder, warum ich es mache."

Ohnehin wurde ihr schon früh klar, dass sie einmal Schauspielerin werden wollte, sollte es mit dem Balletttanz nichts werden. Ihrer Großmutter gefiel diese Entscheidung gar nicht. Schauspielen, das sei doch kein richtiger Beruf, hielt sie ihrer Enkelin immer wieder vor. Doch Zschernig ließ sich von ihrem Weg nicht abbringen, verfolgte weiter ihren Traum.

Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst ein freiwilliges soziales Jahr am Theater Strahl in Berlin, studierte anschließend an der Hochschule der Künste in Bern. In den vergangenen beiden Jahren war sie am Nordharzer Städtebundtheater beschäftigt. Unter anderem war Zschernig schon als Antigone, Hermia, Mirandolina und als der kleine Prinz zu sehen. Wie der kleine Muck dazu passt? "Viele Kinder kennen das Märchen gar nicht mehr, aber es ist zugleich eine traurige, schöne und überaus lehrreiche Geschichte", sagt sie. Obwohl Wilhelm Hauff ein deutscher Schriftsteller war, spielt das Märchen vom kleinen Muck im Orient. "Das spiegelt sich vor allem in den Kostümen und dem Bühnenbild wider", sagt Zschernig. "Aber an sich ist es ein typisch deutsches Märchen."

Die Regie des Stücks hat Christof Seeger-Zurmühlen, der künstlerische Leiter des Jungen Schauspielhauses, übernommen. Zur Premiere werden Zschernigs Eltern extra aus Berlin anreisen. Vielleicht bleibt dem kleinen Muck nach der Aufführung ja noch etwas Zeit, die Verwandtschaft auf einen Tee ins Simit Sarayi einzuladen.

(RP)