Musik : Das nächste Schumannfest wird weiblich

Das beliebte Musikfestival hat in diesem Jahr ein weibliches Profil. Anlass ist der 200. Geburtstag von Clara Schumann.

Weil Clara Schumann Geburtstag hat, sie kam vor 200 Jahren auf die Welt, erfindet sich das Schumannfest mal wieder neu. Nach der letzten Ausgabe, die vor drei Jahren der Naturkatastrophe eines „ausgefallenen Sommers“ gewidmet war, verschiebt sich der Zwei-Jahres-Rhythmus jubiläumsbedingt auf die ungeraden Jahre. Mit Clara bekommen die 24 Veranstaltungen ein radikal weibliches Profil: 35 Komponistinnen (neben etwa halb so viel männlichen Kollegen) kommen zu Wort, die Plakate zum Festival zeigen emotionale Farben und Frauen. Und die Schar der Interpreten ist ausgesprochen weiblich.

Neu ist, dass die Robert-Schumann-Gesellschaft nicht mehr als finanziell verantwortlicher Veranstalter fungiert, sondern das von der Stadt und Sponsoren alimentierte Festival an die Tonhalle übergeben hat. „Das macht fast alles einfacher“, freut sich Intendant Michael Becker. Er kann jetzt Teile seiner Konzertreihen ins Festival-Programm einbinden und mit dem Gefühl des sommerlichen Spielzeitendes experimentieren. So finden sich in den Tagen vom 25. Mai bis 8. Juni etwa neben Ehrings Konzert-Comedy (mit Claras Konzertstück in f-Moll und der Dirigentin Zoi Tsokanou) ein „Sternzeichen“-Konzert, in dem Miriam Batsashvili Claras a-Moll-Klavierkonzert spielen wird, ein Ignition-Jugendkonzert mit Soundtracks zu den weiblichen Disney-Figuren oder das Yuja-Wang-Gastspiel bei Heinersdorff, ganz ohne Schumann.

Außerdem wird das junge, freche Festival „Schönes Wochenende“ angehängt, das etwa das Trickster Orchestra oder das Ensemble Horizonte in die Tonhalle bringt. Zum klassischen Klavierabend kommen (die gar nicht klassische) Gabriela Montero (mit „Kinderszenen“ und „Kreisleriana“) sowie Herbert Schuch und Gürlu Ensari: Schumann vierhändig. Und so fort. Das Programm ist prall.

Die Schumann-Gesellschaft bringt weiter ihr eigenes Profil ein, etwa mit dem jungen Eliot Streichquartett, Schuberts „Winterreise“ (mit Julian Prégardien) – in historischem Konzertformat durchsetzt mit Klavierstücken von Scarlatti, Bach und Mendelssohn –, Vorträgen, Lesungen und Schumann im Jazz-Mantel mit dem Omer Klein Trio. Außerdem sind die Clara Schumann Musikschule und die International School on the Rhine mit von der Partie. Besonders dürfte der „Dichterliebe“-Abend mit Bariton Rafael Fingerlos werden, bei dem die große Sopranistin Edith Mathis unvertonte Heine-Gedichte rezitiert. Und neue Medien kann das Schumannfest auch: In Podcasts kommt unter anderen die Pianistin Ragna Schirmer zu Wort (sie hat gerade alles von Clara Schumann eingespielt). Und Schumann in der Virtual-Reality-Brille hat am 24. Mai in der Tonhalle Premiere.

Info www.schumannfest.de

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