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Düsseldorf: Schulz-Abgang schockt Dresdner Kultur

Düsseldorf : Schulz-Abgang schockt Dresdner Kultur

Der Wechsel des Intendanten nach Düsseldorf wäre ein herber Verlust für das Staatsschauspiel Dresden.

"Ach, du liebes bisschen!", entfährt es Kulturredakteurin Kerstin Leisze von den "Dresdner Neuen Nachrichten". Sie wurde gestern am Telefon von der Nachricht zum bevorstehenden Abgang des Intendanten am Dresdner Staatsschauspiel, Wilfried Schulz, total überrascht.

Genau wie ihre Kollegin Johanna Lembke von der "Sächsischen Zeitung". Am Nachmittag war in Dresdens Kulturszene noch nicht durchgesickert, was die "Rheinische Post" gemeldet hatte: Wilfried Schulz wird 2016 höchstwahrscheinlich neuer Intendant am Düsseldorfer Schauspielhaus. Die Pressestelle am Staatsschauspiel Dresden mochte dies allerdings noch nicht bestätigen. "Wilfried Schulz kann und will sich zu diesem laufenden Verfahren zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern", hieß es. Und weiter: "Es ist ja wunderbar, dass man sich in Düsseldorf freut und so positiv gestimmt ist. Aber solange die Verträge nicht unterschrieben sind, gibt es auch keine offizielle Mitteilung. Sonst wäre umgekehrt die Stimmung in Dresden ganz bestimmt im Keller."

Das kann Kerstin Leisze nur bestätigen. "Es wäre äußerst bedauerlich, wenn Wilfried Schulz uns verlassen würde. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer offen und konstruktiv. Er hat dem Dresdner Theater einen sehr großen Aufschwung beschert und seine Ausstrahlung nach außen eklatant verbessert. Stücke und Ensemble wurden vom Publikum erfreulich gut aufgenommen. Das ist in Dresden gar nicht so einfach."

Erst kürzlich hatte man in der Stadt gefürchtet, den so geschätzten Intendanten Schulz ans Burgtheater zu verlieren. In Wien entschied man sich dann aber dafür, die Position weiterhin mit der deutschen Theaterfachfrau Karin Bergmann zu besetzen. Die "Dresdner Neuen Nachrichten" titelten erleichtert: "Schulz bleibt Intendant in Dresden". Nun sieht es ganz so aus, als müssten sich die Theaterfreunde ernsthaft mit dem unwillkommenen Szenario abfinden.

Gerüchte um seinen Wechsel gab es in Dresden durchaus. Verständlich aber, dass Wilfried Schulz die Öffentlichkeit erst nach Vertragsabschluss informieren will. Und so hält er vorerst an der diplomatischen Umschreibung der Verhandlungen mit Düsseldorf fest: "Es gibt gute Gespräche mit Stadt und Land."

Aber manchmal verfestigen sich die Nachrichten eben schneller als gedacht, eilen von Stadt zu Stadt, und aus Geflüster wird Gewissheit. In Düsseldorf war Wilfried Schulz (62) schon länger als Nachfolger für Interims-Chef Günther Beelitz im Gespräch. Und der machte von Anfang an kein Geheimnis daraus, wie sehr er diese Entscheidung begrüßen würde. Bei dem erfahrenen Theatermann, so betonte er mehrfach mit Nachdruck, sei das Haus in kompetenten und allerbesten Händen.

In zwei Städten warten jetzt alle darauf, dass endlich gültige Fakten geschaffen werden. Michael Strahl, Vorsitzender des Schauspielhaus-Freundeskreises, wünscht sich eine schnelle Bestätigung der Nachfolge. "Die bei der Intendantensuche im Vorfeld versäumte Zeit muss zügig nachgeholt werden", kommentierte er die jüngsten Berichte. "Je länger weiterhin gerätselt wird, desto mehr schadet das dem Theater. Die verantwortlichen Kulturpolitiker in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen sollten das auch wissen und die Sache endlich zum Abschluss bringen."

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