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Schräg: "Heimliche Ehe" im Opernstudio

Schräg: "Heimliche Ehe" im Opernstudio

In letzter Zeit ist es in Mode gekommen, italienische Buffo-Opern in betont schriller Optik zu zeigen. Im Central in der alten Düsseldorfer Paketpost hat sich nun das Opernstudio der Rheinoper diesem Trend angeschlossen und Domenico Cimarosas "Il Matrimonio Segreto" – "Die heimliche Ehe" – ziemlich angeschrägt.

Auf der ebenerdigen Bühne stehen fünf begehbare Schränke mit Gerümpel-Innenleben, die ausschauen, als habe man sie aus einem Bilderbuch für Fünfjährige ausgeschnitten und vergrößert (Bühne: Sarah Büchel). Mittels untergeschraubter Rollen sind diese Schränke beweglich und werden den ganzen Abend über unablässig hin- und hergeschoben. Bewohnt werden sie von fünf der sechs Protagonisten, der verarmte Graf Robinson – Dmitry Lavrov im Karoanzug mit Olli Dittrich-Miene – kommt in einer Isetta hereingerollt. Auf das Bella Italia der fünfziger Jahre verweisen auch die Capri-Hosen von Carolina (Alma Sadé) und der endlose Reigen der Petticoat-Gewänder von Elisetta (Jaclyn Bermudez).

Der Zweiakter des Mozart-Zeitgenossen Cimarosa verhandelt ein damals beliebtes Sujet: Der Kaufmann Geronimo ist Vater zweier Töchter und erhofft sich gesellschaftlichen Aufstieg durch deren Verehelichungen. Doch alles kommt anders, denn Tochter Carolina ist längst heimlich mit dem Diener Paolino verheiratet. Wahre Liebe steht bei Cimarosa gegen ökonomisches Kalkül, die Verwicklungen sind musikalisch subtil gezeichnet, die Komik ist stets geistreich.

Davon ist in Mechthild Hoerschs aktionistischer, auf derbe Effekte zielender Regie wenig zu spüren. Da wird parodiert und karikiert, mit den Augen gerollt, und es werden Hände in die Hüften gestemmt. Dabei ist die instrumental auf ein solistisch besetztes Kammerensemble abgespeckte und mit der wunderbar melancholischen Klangfarbe eines Akkordeons (Alexander Pankov) angereicherte Bearbeitung von Alexander Krampe unter der Leitung von Christoph Stöcker sehr wohl um leisere Töne bemüht. Die problematischen Sichtverhältnisse erschweren jedoch ein reibungsloses Zusammenspiel von Bühne und Orchester und haben etliche Wackler zur Folge.

Die Sänger werfen sich mit Spielfreude ins Geschehen, stimmlich wird ein eher grober Pinsel geschwungen. Alma Sadé sieht trotz steifer blonder Perücke reizend aus, klingt aber heller als sonst und seltsam körperlos. Jaclyn Bermudez' üppiger Sopran flackert bedenklich, die Koloraturen verschwimmen zur Unkenntlichkeit, Melanie Langs Fidalma-Alt klingt gesund, doch unbeweglich.

Bei den Männern hinterlässt der Tenor-Neuzugang Ovidiu Purcel mit schönem Timbre und leichter Höhe den besten Eindruck. Es folgen Lukasz Koniecznys imposanter, doch etwas dumpfer Bass und Dmitry Lavrovs kernig heller Bariton.

Im Publikum herzhafte Lacher und große Begeisterung für alle Beteiligten.

Nächste Aufführungen 28. und 30. Juni, 6. und 8. Juli; Kartentelefon: 0211 8925211

(RP)