Schauspielhaus zieht Spielzeit-Bilanz

Schauspielhaus : Der Sandmann als Publikumsliebling

Der Generalintendant des Schauspielhauses zieht trotz der widrigen Umstände eine positive Bilanz der vergangenen Spielzeit.

Feueralarm im Schauspielhaus treibt alle paar Wochen die Mitarbeiter aus dem Gebäude. Am Donnerstag war es wieder einmal soweit. Dieses Mal jedoch folgt Generalintendant Wilfried Schulz der Warnung besonders unwillig. Denn Schulz hat ausgezeichnete Nachrichten zu verkünden, was unbedingt an jenem Ort geschehen soll, dessen Sanierungsbedürftigkeit ihm in der Vergangenheit so viel Ärger eingebracht hat. Schauspieler und Verwaltung mussten in den vergangenen drei Jahren in Provisorien und auf Probebühnen ihr Publikum gewinnen und bei Laune halten. Erst im September kehrt der gesamte Betrieb zurück an den Gustaf-Gründgens-Platz. Den widrigen Umständen zum Trotz verzeichnen Schulz und sein Team seit Beginn der Intendanz im Spätsommer 2016 steigende Besucherzahlen, und der Trend hält an. Das möchte Schulz den Medien im Stammhaus mitteilen, also führt er die Pressekonferenz kurzerhand an der frischen Luft fort, als der Feueralarm ertönt. Direkt vor dem Bühneneingang.

238.000 Menschen haben in der Spielzeit 2018/2019 die Vorstellungen des Düsseldorfer Schauspielhauses gesehen. Im Vorjahr waren es 225.900 Besucher, was  wiederum bereits gegenüber dem Jahr 2016 ein Plus von 15 Prozent ausmachte und nach Auskunft der Theaterleute das beste Zuschauergebnis der vergangenen 20 Jahre darstellt. „Wir haben aktuell noch einmal 12.000 Menschen mehr in unser Theater holen können“, sagt Schulz, „und wir sind sehr stolz darauf.“ Dass die Platzauslastung dennoch von 85,2 Prozent in der vorigen Spielzeit auf jetzt 82,4 Prozent gesunken ist, hängt mit einem Plus an Kapazitäten zusammen. „Wir haben, unabhängig davon, ob es ein guter oder nicht so guter Theatertag ist, einzelne Produktionen vom Central ins Große Haus überführt. Dort ist die Zahl der Sitzplätze höher“, erklärt Schulz. Während die große Bühne im Central über 400 Plätze verfügt, sind es im Großen Haus am Gustaf-Gründgens-Platz gut 750, also fast doppelt so viele Plätze. Sie gilt es künftig zu verkaufen.

Im Fall der Produktionen „Der Sandmann“ von Robert Wilson und „Hamlet“ von Roger Vontobel klappt das. Beide Inszenierungen wurden schon während der heißen Sanierungsphase im Großen Haus gezeigt und haben es in der Spielzeit 2018/19 auf eine Auslastung von fast 100 Prozent gebracht (“Der Sandmann“: 99,8 Prozent, „Hamlet“: 99.5 Prozent).

Starke Bilder und Musik sind anscheinend gute Argumente für einen Theaterbesuch, denn auch das David-Bowie-Musical „Lazarus“ und die „Dreigroschenoper“ finden großen Zuspruch. Die Auslastung beider Stücke liegt bei 87 Prozent. Tiefgründige Inszenierungen wie „Das Schloß“ und schräge wie „No President“ kommen mit gut 80 Prozent gleich dahinter. „Das zeigt, dass es ein Publikum für ein sehr großes Spektrum gibt“, sagt Robert Koall, Chefdramaturg und Vertreter von Wilfried Schulz.

In der Gesamtbilanz der
238.000 Zuschauer enthalten sind auch Junges Schauspiel mit 59.400 und Bürgerbühne mit 10.300 Besuchern. Beide Bühnen konnten ihre Zuschauerzahlen in der jetzt endenden Spielzeit noch einmal leicht steigern. Die beliebtesten Kinderstücke waren „Räuber Hotzenplotz“ und „Sagt der Wal zum Thunfisch“. Berücksichtigt man diejenigen Menschen, die etwa an Workshops und Projekten des Schauspielhauses teilgenommen haben, erhöht sich die Gesamtbesucherzahl noch einmal auf 276.000.

Weniger Menschen zieht es hingegen ins Café Eden, wo sich seit drei Jahren jeden Montag Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete treffen. Im ersten Jahr kamen noch 6500 Menschen, jetzt sind es 5200. Intendant Schulz kündigte an, das Café Eden reformieren zu wollen. „Wenn sich Bedürfnisse und Umstände ändern, reagieren wir.“ Unter anderem mit zwei neu eingestellten Diversity-Managern, die sich künftig gesellschaftlichen Gruppen widmen möchten, die den Weg bislang nicht ins Schauspielhaus gefunden haben.

Wenn mit Beginn der neuen Theatersaison wieder am Gründgens-Platz gespielt wird, sind die Bauarbeiten noch nicht beendet, weder im Haus noch außerhalb. Mitte Juli soll jedoch das Plastik verschwinden, damit die Fassadenplatten angebracht werden können. Auch der Glasaufzug wird fertig sein. „Wir sind dann komplett barrierefrei“, sagt Schulz. Als er vor drei Jahren in Düsseldorf anfing, war ihm ein schwieriges Publikum angekündigt worden. Das hatte er damals schon nicht ernst genommen und fühlt sich jetzt nach der Durststrecke durch Kö-Bogen-Bau- und Sanierungszeit einmal mehr bestätigt. „Ich muss mich bei unseren Zuschauern dafür bedanken, dass sie so viel Geduld mit uns haben.“

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