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Wegen Sanierung: Schauspielhaus zieht ins Savoy

Wegen Sanierung : Schauspielhaus zieht ins Savoy

Wegen der Sanierung des Hauses am Gründgens-Platz weicht das Theater in den alten großen Kinosaal an der Graf-Adolf-Straße aus. Es wird zunächst einen Liederabend geben, dann den "Schneider Wibbel". Savoy-Chef Jürging und Intendantin Niermeyer freuen sich auf das "Experiment".

Einen kuscheligeren, atmosphärischeren Ort zum "Überwintern" hätte das Schauspielhaus nicht finden können. Weil der Zuschauersaal im Großen Haus noch bis zum Ende der Spielzeit 2010/11 saniert wird, gibt es ab Donnerstag neben der Bühne Central in der Alten Paketpost noch ein Ausweichquartier: Das Savoy-Theater an der Graf-Adolf-Straße wird in den nächsten zwei Monaten zusätzliche Spielstätte des Ensembles und schlägt damit auch für seine eigene Geschichte ein neues Kapitel auf.

Eine solche Nutzung gab es in der über 50-jährigen Nachkriegsgeschichte des Theaters noch nie. "Ich war spontan begeistert von der Idee", sagt Theaterleiter Stefan Jürging, der gestern symbolisch den Schlüssel seines Hauses an die Intendantin des Schauspielhauses Amélie Niermeyer abgab.

Die beiden kennen sich seit Jahren auch aus der gemeinsamen Arbeit für den Verein Volksbühne. "Ich war am Anfang sogar ein bisschen neidisch, als ich hörte, dass Herr Jürging sein eigenes Theater hat", schmunzelt sie. Seit dem Frühjahr laufen die Vorbereitungen, die auch einen Umbau des alten Kinosaals im Savoy notwendig machten.

"Wir brauchten mehr Bühne", erklärt Niermeyer, die Zahl der Plätze wurde deshalb um 80 auf 420 reduziert. Im gleichen Zuge wurde die Bühne aber auch erhöht, "damit alle einen besseren Blick haben". Jürging sieht diese Umbaumaßnahme gelassen: "Man hat mir zugesagt, dass nach der Spielzeit alles wieder in den Ursprungszustand zurückgebaut wird."

Um dem einzigartigen Spielort, dem ehemals zweitgrößten Kino der Stadt, gerecht zu werden, hat man sich bei der ersten Inszenierung ganz auf das Thema "Film", eingelassen. Am Donnerstag feiert das musikalische Stück "Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche" von Regisseur Gil Mehmert Premiere. Der Untertitel gibt grob vor, worum es geht: "Ein Abend für 5 Schauspieler, 2 Musiker und 1 Kino". "Damit beweisen wir, dass unsere Schauspieler auch singen können", freut sich Niermeyer.

Die Ensemble-Mitglieder Katrin Röver, Susanne Tremper und Götz Schulte sowie die David Jakobs und Melanie Wiegmann werden dabei von Hajo Wiesemann und Bastian Ruppert an "Tasten-und Saiteninstrumenten begleitet." Erzählt wird mittels bekannter Filmmelodien eine Geschichte, die im Kino spielt.

Die zweite Premiere wird am 30. Dezember gefeiert: "Schneider Wibbel" in einer neuen Fassung. "Die Handlung ist von der napoleonischen Zeit in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verlegt", führt Niermeyer aus. "Aber es bleibt eine Komödie mit leicht rheinischem Dialekt."

Bis Ende Januar hat Jürging im Savoy damit quasi spielfrei und will sich eventuell auch "zwei, drei Wochen" Urlaub gönnen. "Ich habe all das gespielt, was mir in diesem Jahr am Herzen lag", meint er. "Und ich glaube, dass dieses Experiment für das Savoy gut ist, weil es noch eine andere Farbe ins Theater bringt." Wer sich überzeugen will: Vorstellungen gibt es täglich, Karten unter Telefon 369911.

(RP/rai)