1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorf: Schauspielhaus trennt sich von Geschäftsführer

Düsseldorf : Schauspielhaus trennt sich von Geschäftsführer

Das kriselnde Schauspielhaus in Düsseldorf hangelt sich von einer Übergangsführung zur nächsten. Das Theater kämpft mit einem Millionen-Defizit. Nun sollen zwei altgediente Theatermänner das Haus stabilisieren.

Inmitten einer Finanz- und Identitätskrise bekommt das Düsseldorfer Schauspielhaus eine neue provisorische Doppelspitze. Zum 1. März übernehmen der frühere Düsseldorfer Intendant Günther Beelitz (75) und der Ex-Geschäftsführer der Oper Leipzig, Alexander von Maravic, für rund zwei Jahre die künstlerische und kaufmännische Leitung.

Angesichts des Millionen-Defizits des Schauspielhauses trennten sich die Stadt und das Land NRW von dem langjährigen Geschäftsführer und Interimsintendanten Manfred Weber. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 solle die Bühne einen neuen festen Intendanten haben, kündigte NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) am Mittwoch an.

Der bisherige Intendant Staffan Holm hatte Ende 2012 wegen eines Burnouts aufgegeben. Seitdem hatte Weber auch die künstlerische Leitung inne. Grund für die Ablösung Webers ist ein Defizit von 5,4 Millionen Euro, das das Theater mit rund 300 Mitarbeitern nach Worten Schäfers an den Rand der Insolvenz gebracht hatte. "Es besaß keine ausreichende Liquidität mehr, um die Gehälter zu zahlen", sagte Schäfer. Stadt und Land hätten das Haus, eines der größten Sprechtheatern Deutschlands, stabilisiert. Aber auch in dieser und der nächsten Spielzeit werde man es "erneut mit Defiziten von erheblichem Ausmaß zu tun haben".

Das Theater mit einem Gesamtetat von rund 24 Millionen Euro schiebt nach Angaben Schäfers seit Jahren ein strukturelles Defizit vor sich her. Weil es binnen eines Jahres um weitere zwei Millionen Euro auf 5,4 Millionen anstieg, beauftragten Stadt und Land Wirtschaftsprüfer mit einer Sonderprüfung. Konkrete Gründe für das Millionen-Loch nannte Schäfer nicht. Unter anderem seien aber "Einnahmen verbucht worden, die es noch nicht gab", sagte sie, ohne Details zu nennen.

Die wirtschaftliche Instabilität der Bühne verzögere auch die Intendantensuche, sagte Schäfer. Zunächst müsse das Theater wieder "auf solide Füße" gestellt werden. Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) sagte: "Niemand würde sich das jetzt antun." Die Intendantensuche war allerdings auch begleitet von Eklats, als Bewerbernamen öffentlich wurden und prominente Theaterleute die Findungskommission aus Protest verließen.

Der neue Interimsintendant Beelitz hatte das Düsseldorfer Schauspielhaus von 1976 bis 1986 geleitet. Das Programm für die neue Spielzeit 2014/15 wurde aber noch von Weber vorbereitet, unter dem das Theater wieder mehr Zulauf bekommen hatte. Elbers sagte: "Wir wollen das Haus zum alten Glanz zurückbringen, damit es über Düsseldorf hinaus strahlt und zum Aushängeschild wird."

Im Ensemble des Schauspielhauses löste der neuerliche Führungswechsel teilweise Fassungslosigkeit aus. Die Mitarbeiter hatten erst am Wochenende in einem offenen Brief der Stadt und dem Land harte Vorwürfe gemacht und sich hinter Weber gestellt.

(dpa)