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Düsseldorf: Schadow-Gemälde darf im Stadtmuseum bleiben

Düsseldorf : Schadow-Gemälde darf im Stadtmuseum bleiben

Der Streit um das Selbstbildnis von Wilhelm von Schadow im Stadtmuseum ist beigelegt. Die Stadt übergab das Gemälde am Montag im Stadtmuseum dem Max Stern Restitution Project, einer kanadisch-israelischen Kooperation dreier Universitäten.

Sie vertritt das Erbe des Düsseldorfer Galeristen Max Stern, dem das Bild einst gehört hatte. In der NS-Zeit war es versteigert worden, nachdem der Jude Max Stern ein Berufsverbot erhalten hatte. Mit der Rückgabe erkennt die Stadt nun an, dass der Verkauf unter dem Druck der Verfolgung geschah.

Das Bild wird weiter in Düsseldorf zu sehen sein: Die Erbengemeinschaft überlässt es dem Stadtmuseum als Leihgabe. Dies ist Teil einer größeren Zusammenarbeit, die das Stern-Projekt und das Museum vereinbart haben: Das Stadtmuseum wird das Thema Restitution, also die Rückgabe von in der NS-Zeit entzogenen Kunstwerken, künftig in Ausstellungen, Vorträge und pädagogische Arbeit integrieren.

Direktorin Susanne Anna kündigte darüber hinaus für 2018 eine große Max-Stern-Ausstellung an, in der es um die Lebensgeschichte des Galeristen, aber auch generelle Fragen zu Holocaust und Restitution gehen soll. Dabei sollen weitere Gemälde aus dem Nachlass zu sehen sein.

Max Stern (1904-1987) war Eigentümer einer Galerie an der Königsallee. 1937 wurde er zur Aufgabe seines Geschäfts gezwungen. Daraufhin brachte er eine Reihe von Werken zur Auktion, darunter der Schadow, den die Stadt 1972 aus Privatbesitz ankaufte. Nach seiner Emigration nach Kanada startete Stern eine zweite Karriere als Händler und machte sich als Förderer zeitgenössischer Künstler einen Namen.

Er hinterließ sein Erbe zwei Universitäten im kanadischen Montreal und der Hebrew University in Jerusalem. Bei der Aufarbeitung des Nachlasses fanden sich Unterlagen zu den Werken aus Düsseldorf - daraufhin entschieden sich die Universitäten, die Bilder einzufordern. Das Schadow-Bild ist das zwölfte, welches das Stern-Projekt erhält. "Wir stehen aber erst am Anfang", sagte Direktor Clarence Epstein. Er geht von mehr als 400 Bildern aus. Viele dürften sich im Raum Düsseldorf befinden.

Die Stadt hatte mit der Rückgabe zunächst gezögert, zeitweise ließ das Stern-Projekt das Bild deshalb sogar auf eine Fahndungsliste von Interpol setzten. Museumsdirektorin Susanne Anna führte im vergangenen Jahr die Gespräche mit Vertretern aus Kanada. Sie mündeten schließlich in der Restitution und den Kooperations-Plänen.

Mit der Rückgabe verzichtet die Stadt darauf, ihren Anspruch auf das Bild juristisch zu verteidigen. Die Rückgabe geschah mit Blick auf die Verfolgungsgeschichte und ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs. Der Stadtrat stimmte diesem Vorgehen, das Kulturdezernent Hans-Georg Lohe vorgeschlagen hatte, im November zu. Die Rückgabe sei ein "Zeichen der Versöhnung", sagte Lohe bei dem Festakt, an dem auch Kanadas Botschafterin Marie Gervais-Vidricaire teilnahm.

(RP)