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Sascha Förster: „Aktuelle Debatten gehören zum Theatermusem“

Neuer Museumschef in Düsseldorf : „Aktuelle Debatten gehören zum Theatermusem“

Das Theatermuseum wird zum 1. Juni einen neuen Leiter haben: Sascha Förster will aus dem Haus auch eine Stätte für Diskussionen und Vorträge machen. Im Theater, so sagt er, spiegelt sich auch Kultur- und Sozialgeschichte.

Sascha Förster wird zum 1. Juni neuer Leiter des Theatermuseums. DerTheaterwissenschaftler wurde 1986 in Halle an der Saale geboren. Er studierte an der Freien Universität Berlin Theater- und Tanzwissenschaften sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaften und promoviert derzeit an der Universität in Köln. Von 2012 bis 2020 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung sowie dem Institut für Medienkultur und Theater an der Universität zu Köln tätig. Seit 2019 ist Förster Mitglied des Theaterbeirats des Kulturamtes Köln.

„Theatermuseum“ klingt immer ein bisschen verstaubt. Wie lässt sich dieses Image ändern?

Förster Der Eindruck des Verstaubten steht natürlich im Kontrast zu den vielfältigen und lebhaften Vermittlungs- und Programmangeboten des Theatermuseums und vor allem zu den herausragenden und inspirierenden Archivmaterialien des Dumont-Lindemann-Archivs. Daher wird es meine Aufgabe sein, diese Freude am Material des Theaters stärker in den Blick zu nehmen und mit neuen Formen der Präsentation zusammenzubringen. Mein Ziel ist es deshalb, das Programm des Theatermuseums noch stärker kulturhistorisch auszurichten, so dass unsere Erzählungen über Theater auch immer Erzählungen über vergangene Welten sind. In diese vergangenen Welten werden wir mit Materialien und Mitteln des Theaters und der Performance entführen. Da mein eigener Schwerpunkt in der Moderne liegt, sehe ich – um hier ein Beispiel zu nennen – mit großer Freude, wie groß das aktuelle Interesse an der Weimarer Republik ist. Da hat die Theater- und Performancegeschichte einen wichtigen und ungemein spannenden Beitrag zu leisten. Für mich geht es also ebenso darum, zu schauen, welche Themen relevant sind oder relevant werden und diese aus der Theatergeschichte heraus weiterzudenken. Denn im Theater spiegelt sich Kultur- und Sozialgeschichte auf zu oft übersehene und dabei doch so faszinierende Weise.

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Könnte ein Theatermuseum denn auch aktuelle Debatten aufgreifen?  Momentan wird ja viel über das alte Intendanten-Modell diskutiert, über Machtmissbrauch und Rassismus.

Förster Ein Theatermuseum sollte diese Debatten sogar aufgreifen und die verschiedenen Positionen zu diesen Themen moderieren. Louise Dumont – auf deren Arbeit das Archiv und somit auch das Theatermuseum gründen – veranstaltete einen regelmäßigen Montagssalon, bei dem der Austausch über Theater und gesellschaftliche Themen im Mittelpunkt stand. Das Gespräch über aktuelle Debatten ist daher in der DNA des Theatermuseums angelegt und wird sich bei mir im Vortrags- und Diskussionsprogramm ebenso niederschlagen wie in den Ausstellungen und in der Vermittlung. Aber auch in der Konzeption und Entwicklung der Sammlungen werde ich mit meinem Team des Theatermuseums diese Fragen aufgreifen und diskutieren. Einerseits als eine kritische Sicht auf die Bestände und ihre Lücken und andererseits mit Blick auf Erweiterungen und Öffnungen. Hier dokumentieren wir diese Debatten nicht nur, sondern müssen uns der Konsequenzen auf unsere eigene Arbeit gewahr werden.

Welche Chancen bietet der anstehende Umzug des Theatermuseums? Und wie kann man neues Publikum dorthin locken?

Förster Jeder Umzug bietet die Chance zur Inventur und zur Reflexion. Mit Blick auf das anstehende Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen des Dumont-Lindemann-Archivs im kommenden Jahr bietet sich solch eine Inventur gleich doppelt an. Mein Team und ich werden uns daher fragen, was ein Theatermuseum im 21. Jahrhundert und in der Landeshauptstadt bedeutet. Welche Aufgaben ergeben sich für uns hieraus? Wie vielfältig sollte unser Publikum sein? Wie erreichen wir letztlich eine größere Vielfalt? Der Umzug bedeutet gleichzeitig, das Theatermuseum nicht nur als Ort für Ausstellungen zu erachten, sondern als gesamtgesellschaftlichen Dialogpartner. Welche Zielgruppen könnten wir beispielsweise – auch über die Stadtgrenzen hinaus – über Podcasts oder Ausstellungen im öffentlichen Raum ansprechen?