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Düsseldorf: Quadriennale verwandelt Stadt in ein Museum

Düsseldorf : Quadriennale verwandelt Stadt in ein Museum

Von April bis August 2014 kommt niemand mehr an Kunst vorbei. Der Ausstellungsmarathon in 13 Häusern ist auch ein logistischer Kraftakt.

Die Quadriennale 2014 ist auf dem besten Weg: Die Querelen um den vorzeitigen Weggang des erstmalig eingesetzten Intendanten Wolfgang Ullrich sind vergessen, die zeitgleiche Eröffnung aller Häuser ist garantiert.

Die Stadt Düsseldorf zeigt ab April nächsten Jahres, dass sie mit Kunst im besten Sinne klotzen kann und dass ihre Museen, ihre Akademie, ihre Galerien und Ausstellungshäuser kompetent sind, ein Thema der Gegenwart mit intelligenten Thesen und wichtigen Kunstrichtungen illustrierend zu durchleuchten. Mit Dürer und Rembrandt beginnt der Ausstellungsreigen, der über die Schwergewichte Mondrian und Malewitsch zur zeitgenössischen Künstlerschaft führt.

Gestern stellten die beiden Geschäftsführer der Quadriennale, Angela Eckert-Schweizer und Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, mit allen Kunstakteuren das Programm vor, das vielversprechend klingt und den gesamten Stadtraum auf originelle Weise bespielen wird.

Zur Eröffnung sollen von allen Ausstellungshäusern, die Flachdächer haben, Fanfarenkonzerte erklingen, die der eigens engagierte Tonkünstler Rochus Aust komponiert. Es wird umgebaute Fahrräder geben, die zu Kunst-Expeditionen für große und kleine Menschen gebucht werden können. Die Großausstellung, die die dritte ihrer Art in Düsseldorf ist, soll mehr Festival- denn "documenta"-Charakter haben.

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Noch bevor die Pressekonferenz begann, bat eine Journalistin um den Hashtag (Doppelkreuz) für die Quadriennale, damit sogleich unter dem Stichwort Quadriennale alles in die Welt getwittert werden könne. Den Hashtag gibt es zwar noch nicht, aber die Quadriennale ist multimedial unterwegs. Mehrere Apps werden entwickelt, auf Facebook und Twitter ist man dabei; auf der Website läuft ein Film zur Einstimmung — sehr gelungen —, der aufzeichnet, wie man sich vorzustellen hat, dass die Kunst in die Köpfe der Bürger kommen kann.

"Über das Morgen hinaus" heißt das Leitmotiv der Quadriennale 2014, das als Inspiration über allen Ausstellungsaktivitäten liegt. Aus diesem Leitmotiv sind Begriffe heruntergebrochen, die sich, auf lila Banner gedruckt, netzartig auf sehr verschiedene Straßen und Orte in der Stadt legen: Himmel, Rückzug, Experiment, Feuer, Licht etwa.

Kunst ist weiter gefasst, als man denkt. Und die Idee, um die sich alles dreht, ist die Zukunft. "Das Reden über Zukunft ist das neue Thema, dem wir uns alle stellen müssen. Schon immer hat man der Kunst die Kompetenz und Kraft für dieses Thema zugesprochen", sagte Marion Ackermann, Direktorin der Kunstsammlung NRW. Ihrer Einschätzung schloss sich Hans Jürgen Hafner, Leiter des Kunstvereins, mit Einschränkung an: "Unser Jetzt ist alternativlos und Zukunft unser Problem", sagte er.

Und dass er sich nicht ganz sicher sei, dass die Kunst das projektive Potenzial habe, das man von ihr erwarte. Gertrud Peters, Leiterin des KIT, meinte angesichts der Fülle der Ausstellungen, dass jeder sich höchstens vier heraussuchen werde, die er tatsächlich anschaut. Das sei gut so, man wolle nicht belehren, sondern führen.

Angela Eckert-Schweizer setzt aufs Gefühl: Durch die bunten und ortsübergreifenden Veranstaltungen im Stadtraum werde es sicherlich zu Hochgestimmtheit, ja Fröhlichsein, in der Bürgerschaft kommen, so lautet ihre Prognose.

Auch das Stadtmarketing verspricht sich viel von der Quadriennale, besonders die Benelux-Touristen hat man im Blick. Und wenn es gelänge, eine Vielzahl der Besucher von der gleichzeitig laufenden Kunstmesse Art Cologne nach Düsseldorf zu locken, dann sieht doch alles nach eitel Sonnenschein aus.

(RP)