Projekte für Kinder im Düsseldorfer Kunstpalast: Ein Nashorn im Museum

Kunstpalast Düsseldorf startet Webseite für Kinder : Ein Nashorn im Museum

Der Kunstpalast möchte eine neue Zielgruppe erschließen und versucht es mit einer Internetseite für Kinder. Nashorn Nele und Elster Piet sind die Hauptdarsteller.

Wenn Felix Krämer ins Museum geht, macht er dort eine wiederkehrende Erfahrung: „Mit einer gewissen Irritation stelle ich fest, dass ich das Durchschnittsalter immer noch drücke.“ Krämer besucht von Berufs wegen zahlreiche Ausstellungen, man darf seinem Urteil trauen, zudem ist er Direktor des Kunstpalasts, und auch dort ist das Publikum eher älter denn jünger.

Trotzdem muss man sagen, dass der Museumschef, was sein Haus betrifft, die Lage falsch einschätzt. Dort nämlich gehört der 48-Jährige doch eher zu den etwas älteren Herrschaften – im Kunstpalast liegt der Altersdurchschnitt bei, nun ja, 47 Jahren.

Auch zu hoch, finden die Museumsleute dennoch und haben sich deshalb etwas Neues einfallen lassen. Im steten Streben von Museen und den allermeisten Kultureinrichtungen, nicht nur Stammgäste zu halten, sondern auch neue Besuchergruppen zu erschließen, setzt der Kunstpalast in Zukunft auf ein Nashorn und eine Elster. Nele und Piet heißen sie.

Die Namen hat eine Kinderjury des Wim-Wenders-Gymnasiums aus 80 Vorschlägen ausgewählt, die Tiere hat Illustratorin Vanessa Riecke entworfen. Wer sie sehen möchte, geht ins Internet. Dort hat der Kunstpalast soeben eine Plattform eigens für Kinder freigeschaltet. Es gibt Spiele, Termine und Infos, aufbereitet für Sechs- bis Zwölfjährige. Das soll Kindern Lust aufs Museum machen. Es ist die erste Kinder-Webseite eines Museums hierzulande.

„Research online, purchase offline“ nennt das der Fachmann – Mark Klein, Digitalchef bei der Ergo-Versicherung, die den Internet-Auftritt für den Kunstpalast eingerichtet hat. Im Internet schauen Familien sonntagmorgens nach, was sie unternehmen können; wiederfinden sollen sie sich dann am Mittag im Museum, so der Gedanke. „Der Entscheidungsträger ist dabei nicht immer der Geldgeber“, sagt Klein. Überzeugen müsse man deshalb vor allem auch die Kinder.

Auf der Internetseite können sie Memory mit Werken aus der Kunstpalast-Sammlung spielen, ein Kunst-Quiz und Bilderrätsel lösen, dazu gibt es Wissenswertes, aber es ist alles nicht so sehr belehrend und pädagogisch wertvoll, wie man es befürchten muss, wenn ein städtisches Museum Online-Spiele entwickelt. In einem Spiel darf man sogar als Kunstdieb in Gestalt des Nashorns Nele durchs Museum flitzen und die Wachen austricksen. Am Spielende wird den Nutzern der Besuch des Kunstpalasts vorgeschlagen. An der Kasse dürfe man sich einen Nashorn-Magneten abholen. Ob das wirklich Wirkung hat, wird sich erst noch zeigen.

Zuletzt hat das Museum sein Angebot für junge Besucher immer weiter ausgebaut, so wie viele Häuser sich an Kinder-Programmen versuchen. Das treibt zuweilen bunte Blüten: Im Kölner Wallraf-Richartz-Museum wurden zeitweise ein paar alte Gemälde 20 Zentimeter tiefer gehängt. Kinder sollten Rembrandt auf Augenhöhe begegnen.

Im Kunstpalast können sich Kinder etwa Detektivtaschen an der Museumskasse abholen und damit Rätsel lösend den Sammlungs-Flügel erkunden. Die Eltern kostet das nichts. Es gibt Kinder-Audioguides, Taschenlampen-Führungen und Angebote für Geburtstagsfeiern – Kuchen darf man mitbringen. Im nächsten Jahr ist zudem der Eintritt in den Kunstpalast für Besucher unter 18 Jahren frei, bislang gilt das schon für Besucher bis zwölf Jahre. Die Kosten werden von den Freunden des Kunstpalasts übernommen. Deren Vorsitzender Gil Bronner hofft, dass sich für die Folgejahre ein Düsseldorfer Unternehmen findet, dass die Finanzierung fortsetzt.

Hinzu kommt im kommenden Jahr ein neues Ausstellungsformat, „Die Kleine“, was natürlich ein Verweis auf „Die Große“ ist, die jährliche Ausstellung der Düsseldorfer Künstlerschaft. Für „Die Kleine“ sind Grundschulklassen aufgerufen, je ein gemeinsam geschaffenes Kunstwerk einzureichen.

Die Aufgabenstellung wird sich laut Museum am Lehrplan orientieren. Die Arbeiten werden vom 14. bis 24. Juni 2020 ausgestellt, wenn auch „Die Große“ läuft, eine Jury prämiert die besten Werke. Schirmherr und Jury-Mitglied ist Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), der im Kinder-Angebot gar einen Beitrag zu einem „demokratischen Anspruch“ sieht, „dass alle an Kultureinrichtungen partizipieren können“.

Dass sich Kinder im Museum dann auch wohlfühlen, hänge häufig von Kleinigkeiten ab, sagt Museumsdirektor Krämer. Entscheidend sei etwa, ob das Personal Familien willkommen heißt oder nervös wird, wenn man mit drei Kindern aufkreuzt. Dass Kinder im Museum buchstäblich Grenzen überschreiten könnten, darüber macht sich Krämer keine Sorgen. Die Erfahrung zeige, dass, wenn überhaupt, Ältere Kunstwerken zu nahe kommen.