Düsseldorf: Professoren reden über Kraftwerk

Düsseldorf : Professoren reden über Kraftwerk

Bei der "Electricity Conference" wird Musik aus Düsseldorf erforscht.

Es könnte sehr interessant werden am kommenden Donnerstag, denn dann wollen Christoph Jacke und Kristina Flieger ein bisschen am Mythos Kraftwerk kratzen. Die beiden Wissenschaftler halten um 14.45 Uhr einen Vortrag im NRW-Forum - darin soll es um die Zuschreibungen gehen, die die Elektronik-Pioniere in den Ruf setzen, so ziemlich jedem Genre den Weg bereitet zu haben, das nach 1975 entstand. Nur: Lässt sich all das im Werk des Quartetts überhaupt nachweisen? Oder ist das Projektion der Nachgeborenen?

"Electricity-Conference" lautet der Titel des zweitägigen Kongresses, der Musik aus Düsseldorf wissenschaftlich untersucht. Wer nun sagt, das gab es doch vor zwei Jahren schon, auf dem Kraftwerk-Kongress des Heine-Uni-Professors Dirk Matejovski nämlich, hat zwar recht. Im Gegensatz zu damals will man nun nicht bloß über Kraftwerk sprechen, sondern auch über all die anderen, die Düsseldorf zwischen 1970 und '85 zur Musik-Hauptstadt gemacht haben: Neu!, Daf, Der Plan und Co. Und: Es sprechen vor allem Forscher, die in Großbritannien arbeiten. Düsseldorf will sich also mal von auswärtigen Kennern sagen lassen, wie wichtig und gut für die Welt ist, was hier einst entstand.

Den Auftakt bestreitet Rudi Esch mit seiner Begrüßung am Donnerstagmorgen. Er legte 2014 das Buch "Electri_City" vor, eine Kulturgeschichte, komplett aus O-Tönen zusammengesetzt. Sie dient als Materialsammlung, die letztlich allen Ausführungen zugrunde liegt. Enno Stahl und Uwe Schütten kuratieren den akademischen Kongress. Weitere Themen sind die eigenartigen Texte Kraftwerks (Titel des Vortrags: "Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium") und die internationale Bedeutung der Band. Ein Vortrag beschäftigt sich mit der Lyrik von Daf und Der Plan, ein anderer mit der Erfindung des sogenannten Motorik Beat durch Klaus Dinger.

"Ziel ist, das Klima jener Zeit zu erklären", sagt Enno Stahl. Er begreift Popmusik als Zeichensprache, die von unserem Alltag erzählt, und diese Erzählungen zu entschlüsseln, kann hilfreich sein für das Verständnis der Gegenwart. Wenn die Veranstaltung erfolgreich ist, so Stahl, sei es denkbar, jedes Jahr einen Kongress über Musik aus Düsseldorf abzuhalten. "Man kann sich dann in der Zeit vorarbeiten, die Aufmerksamkeit über Kreidler und Mouse On Mars bis in die Gegenwart richten."

Info Der Kongress beginnt Donnerstag um 9 Uhr im NRW-Forum. Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei. Das detaillierte Programm findet man unter www.electricity-conference.com. Dort kann man sich auch für die Vorträge anmelden.

(hols)
Mehr von RP ONLINE