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Premiere von „Was die Sonne nachts macht“ in Düsseldorf: Ein galaktisches Abenteuer

Premiere im Jungen Schauspiel Düsseldorf : Ein galaktisches Abenteuer

Im Jungen Schauspiel feierte „Was die Sonne nachts macht“ Premiere. Es ist ein Stück über Tag und Nacht, Sonne, Mond und Sterne – geeignet für Kinder ab zwei Jahren, aber auch die Synapsen Erwachsener werden stimuliert.

Das Programmheft zur Uraufführung im Jungen Schauspiel beginnt mit einem dicken Lob: Die Kinder haben den Theatermachern während der Vorbereitung zu dem neuen Stück „Was die Sonne nachts macht“ demonstriert, wie viel Dunkelheit sie aushalten, und das war ziemlich viel. Respekt.

Vielleicht liegt es daran, dass die kindliche Idee von Dunkelheit nicht so negativ ist wie die der Erwachsenen. So eine Nacht kann spannend sein, und ein bisschen Grusel kitzelt die Nerven, die im frühkindlichen Stadium offenbar besonders geschmeidig reagieren, was wiederum einen wendigen Geist wecken kann, wenn man ihn nur richtig füttert. Überraschungen, sagen Forscher, wissen schon Babys zu schätzen. Wie geht also Theater für sehr kleine Kinder? Was ist ihnen zuzutrauen? Alles, was ihre Fantasie anknipst, wie die aktuelle Inszenierung bei der Premiere gekonnt dargelegt hat. Zu sehen gab es ein fabelhaftes Abenteuer durch die Galaxie, das auch die Synapsen der Eltern stimuliert.

„Was die Sonne nachts macht“ ist ein sinnliches Stück über Tag und Nacht, über Wärme, das Leben auf der Erde, Sonne, Mond und Sterne. Die Geschichte haben sich die Erwachsenen nicht allein ausgedacht, sie haben vielmehr Komplizen im Familienzentrum Gustav-Kneist-Weg in Gerresheim gefunden, wo ihnen zwei- bis dreijährige Kinder erklärt haben, wie sie die Welt sehen. Es ist also ein bisschen auch ihr Stück. Die Vorstellung im Jungen Schauspiel an der Münsterstraße hat gerade erst begonnen, als die Kinder also beschließen, Noemi Krausz zu retten. Die Schauspielerin gibt vor, tief und fest zu schlafen, als sie von der Erdhalbkugel, die vielleicht auch der Mond ist, rutscht. „Voooorsicht!“ Sie erwacht und macht sich mit ihren Freunden (Selin Dörtkardes und Peter Florian Berndt) auf, die Nacht zu erkunden, die jedoch viele Gefährten und Gegenspieler hat, so dass aus dem kleinen Ausflug am Ende eine Expedition ins große Universum wird.

Die Bühne ist ein Sternenhimmel: Von der Decke baumelt ein riesiges Planeten-Mobilé. Eine kleine blaue Lichtkugel gelangt in die Hände der drei Freunde und plötzlich sind Stimmen zu hören, singt jemand ein Lied, krächzt ein Rabe, zwitschern Vögel. Die Planeten leuchten – so klingt das Leben, das es ohne die Sonne nicht gäbe, was die drei Freunde ahnen und deswegen die Sonne suchen, um sie mit nach Hause zu nehmen. Die Schauspieler liebkosen das Licht und schimpfen mit dem Schatten. Sie knüpfen aus naturwissenschaftlichen Phänomenen einen Soundteppich, der das Lernen und Erleben eint. Das begreifen die Kinder sofort. Sie entdecken jeden Tag etwas Neues, das sie erstaunt, vergnügt und manchmal auch wehtut. Das Leben ist ihnen noch eine große Unbekannte, eine aufregende Angelegenheit. Um zu wissen, wie heiß heiß ist, muss man Hitze anfassen. Schauspielerin Selin Dörtkardes kommt der Sonne jedenfalls ganz schön nah und muss aufpassen, dass sie vor lauter Zuneigung nicht verbrennt.

In einer besonders schönen Szene wird der Ursprung allen Lebens erklärt: Am noch düsteren Planeten-Mobilé gibt bloß eine Kugel Licht und Wärme ab. Die drei Freunde reiben genüsslich Po und Füße an dem Stern. Ein Geräuschdickicht schwillt an, das in ein Herzklopfen mündet, und mit einem Mal dreht sich das Mobilé und leuchtet in den herrlichsten Farben. Physikalische Zusammenhänge werden hier zu zauberhafter Poesie, die sich Paul Jumin Hoffmann und Anke Retzlaff ausgedacht haben. Hoffmann ist Mitglied im Ensemble des Jungen Schauspiels und steht sonst auf der Bühne. „Was die Sonne nachts macht“ ist seine erste große Regiearbeit. Mit Anke Retzlaff, die in der ARD-Krimireihe „Über die Grenze“ als Kommissarin Leni Herold zu sehen ist, hatte er zuvor schon kleinere Theaterprojekte realisiert.

Am Ende der Vorstellung gibt es von Kindern und Eltern viel Applaus. Das Stück hat bei manchem Forschergeist geweckt. Ein Mädchen läuft auf die Bühne und stibitzt einen kleinen Ball, der glutrot leuchtet. „Darf ich mal“, fragt ihr Freund. – „Nee, ich muss erst selber fühlen.“