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Premiere von „Maria Stuarda“ an der Oper in Düsseldorf - Knast voller himmlischer Stimmen

Premiere von „Maria Stuarda“ an der Oper in Düsseldorf : Knast voller himmlischer Stimmen

Gaetano Donizettis Oper „Maria Stuarda“ in der Regie von Guy Joosten begeistert bei der Premiere an der Oper in Düsseldorf. Bis Februar gibt es noch sechs Aufführungen.

In Donizettis Schiller-Oper „Maria Stuarda” ist vieles anders. Zu dem bühnenwirksamen Zickenkrieg der beiden Königinnen, bei dem die eine, Elisabetta, die andere, Maria, aufs Schafott bringt, braucht man gleich zwei Primadonnen. Die Männer dürfen allenfalls mitmachen. Außerdem rückt die Musik hörbar ab von der virtuosen Gurgelkunst des alten Belcanto, was eine eigene Art Spezialisten erfordert.

Solche Kunst des Schöngesangs ist heutzutage offenbar in Osteuropa verbreitet. Jedenfalls weist der Blick auf die Besetzung der Premiere am Haus der deutschen Oper am Rhein daraufhin. Erfreulich für viele konservative Freunde des Musiktheaters richtet sich die Wahrnehmung dieses mit rund 150 Minuten angenehm kurzen Opernabends fast in Gänze auf die Kostbarkeit der Stimmen. Und da muss man konstatieren: Es war ein Fest.

Guy Joosten, der flämische Regisseur von Weltruf, tut denn auch gut daran, der Musik nicht allzu viel Schnickschnack unterzujubeln. Graues Wellblech, eine Zellenflucht mit Umschluss-Mechanik im Obergeschoss kennzeichnen die Knastwelt der Maria Stuarda, die kaum freundlicher ist als der Königshof der Elisabetta.

Dass Joosten den berühmten Disput der Königinnen, auf den sich auch die Oper ausrichtet, in spiegelbildliche Handlungen einbettet; dass er zum Finale die Herrscherin in die Zelle verbannt, in der Maria bis zur Hinrichtung schmachten musste, beweist einen klugen Blick aufs Geschehen, das am Ende als Orgie in Rot verglüht.

Die Kontrahentinnen dürfen glänzen, gern an sängerdienlichen Orten. Adela Zaharia gewinnt ihrem jugendlichem Koloratursopran für die Stuarda-Partie mehr und mehr dramatische Farben ab, sie strahlt, brennt geradezu bruchlos in allen Registern, ihre Virtuosität ist atemberaubend.

Elisabetta I. (Maria Kataeva) ringt mit sich und unterschreibt kurz darauf Maria Stuardas Todesurteil. Foto: Hans Jörg Michel

Maria Kataeva, in ihrem Fach eine gleichwertige Könnerin, muss als Elisabetta leider diese fiese Rotschopf-Perücke, manchmal auch die Krone tragen, was ihre sonst so impulsive Körperlichkeit einschränkt. Dennoch gewinnt sie der wenig sympathischen Königin so manch zickigen Hüftschwung ab, mit dem sie das „Heilige“ der Maria noch mehr hervorhebt.

Beide Sopranistinnen glänzen nach Belieben, ertrinken am Ende gewissermaßen im Applaus. Mit umwerfend fokussierter, ungemein italienischer Tenorfarbe begeistert Shalva Mukeria, einer der seltenen Belcanto-Spezialisten seines Fachs. Sein Leicester ist phänomenal. Bariton Richard Sveda als Cecil und Bass Bogdan Talos als Talbot haben nur wenig Gelegenheit, ihre tadellos ausgebildeten Stimmen in den Vordergrund zu rücken.

Gleiches gilt für die famose junge Altistin Karina Repova als Anna. Zu alledem zeigt sich der Opernchor in Höchstform, das große Tableau des dritten Aufzugs ist große Kunst. Dirigent Antonio Fogliani versetzt zudem die Düsseldorfer Symphoniker immer wieder raus aus dem Routine- und rein in den Feuerwerk-Modus.

Info 2,5 Stunden, eine Pause. Italienisch mit deutschen Übertiteln, Vorstellungen am 22., 30. Dezember, 2., 4., 6. Januar, 9. Februar, Karten unter 0211 892521 und www.operamrhein.de