Premiere in Düsseldorf: Unterhaus-Performance über polnische Putzfrauen

Premiere in Düsseldorf : Unterhaus-Performance über polnische Putzfrauen

Der Titel „Wenn sie mich verließe“ dürfte kaum suggerieren, worum es in diesem Stück geht. Die Unterzeile schon eher: „Protokolle von Frauen, die putzen, und denen, die dafür bezahlen.“ Ein ungewöhnlicher Stoff für die Theaterbühne.

Hinter der künstlerischen Einrichtung stehen Judith Bohle aus dem Schauspielhaus-Ensemble und ihr Freund und Kollege Janning Kahnert. Die Interviews waren für die Doktorarbeit „Von Bialystok nach Berlin-Westend“ der Ethnologin Ute Frings-Merck entstanden. „Meine Tante“, erläutert Judith Bohle. „Sie spürte in diesen Gesprächen dem Verhältnis von Berliner Arbeitgeberinnen und polnischen Putzfrauen nach. Aus diesem spannenden Rohmaterial wollte ich etwas machen.“

Neun großartige Mitstreiterinnen konnte die Schauspielerin für ihr Projekt gewinnen, das am Donnerstag im Unterhaus Premiere hat: Manuela Alphons, Esther Hausmann, Claudia Hübbecker, Rosa Enskat, Anya Fischer, Minna Wündrich, Lea Ruckpaul, Cennet Rüya Voß und Felicia Chin-Malenski. „Eine glamouröse Besetzung“, findet Bohle. Einziger Mann unter zehn Frauen ist André Kaczmarczyk als Arbeitgeber in einem gleichgeschlechtlichen Haushalt. „Er hat eine schöne private Verbindung zum Thema“, sagt Judith Bohle. „Außerdem ist André eine Bereicherung für jedes Bühnengeschehen.“ Auch die Schauspielerinnen, etwa im gleichen Alter wie ihre jeweilige Protagonistin, erzählten bei den Proben von ihren Erlebnissen mit polnischen Hilfskräften.

„Wenn sie mich verließe“ erlaubt Einblicke in eine Schattenökonomie mit widerstreitenden Ambitionen und greift ein Alltags-Phänomen auf. „Viele Putzfrauen fahren morgens mit der Bahn von Polen nach Berlin und abends zurück“, sagt Judith Bohle. „Einige berichteten, dass sie von selbst aufwachen, wenn der Zug die Oder überquert, weil das Geräusch der Schwellen sich verändert.“

Im Stück verschieben sich die Akzente im Vergleich zur Doktorarbeit. Der Fokus liegt weniger auf dem deutsch-polnischen Verhältnis und der Vergangenheit beider Länder. Beleuchtet werden die Lebensumstände der Putzfrauen, die Trennung von ihren Familien, ihre Einsamkeit. Auf der anderen Seite stehen die Privathaushalte, in die sie integriert sind. Man begegnet sich auf sensiblem Feld, zudem erschweren Sprachprobleme die Kommunikation. „Das betrifft viele Familien“, sagt Schauspielerin Bohle. „Trotzdem wird nur wenig darüber geredet, jeder bleibt in seinem Kosmos.“ Die Resonanz des Publikums verdeutliche aber, wie stark das Thema berühre. Für die Premiere gibt es nur noch Restkarten.

In der Spielstätte Unterhaus mit 100 Plätzen realisieren Ensemble-Mitglieder eigene Projekte. „Wir hoffen auf eine Fortsetzung dieses Abends“, sagt Judith Bohle.