Premiere im Bambi Düsseldorf: "All I Never Wanted" mit Mareile Blendl.

Schauspielerin aus Düsseldorf : Frau zwischen Schein und Sein

Der Kinofilm „All I Never Wanted“ widmet sich satirisch dem Rollenbild der Frau in den Medien. Eine der Hauptrollen spielt die Düsseldorferin Mareile Blendl. Am Samstag ist Premiere im Bambi.

Sie spielt sich selbst und doch eine andere: Die Düsseldorfer Schauspielerin Mareile Blendl verkörpert in der satirischen Tragikomödie „All I Never Wanted“ eine Schauspielerin im selben Alter und mit selben Namen. Was wie eine Dokumentation anmutet, ist in Wahrheit ein Spiel mit der Wirklichkeit, eine Gratwanderung zwischen Schein und Sein. Am Samstag stellen die 43-Jährige sowie die Regisseurinnen Annika Blendl und Leonie Stade den Film im Bambi vor.

„Der Film ist eine Mockumentary“, sagt Mareile Blendl, „sozusagen eine Fake-Dokumentation“. Die Satire erzählt davon, wie sich vier Frauen in der Medienlandschaft behaupten müssen. Von ihrem Kampf um Anerkennung, vom Scheitern und der harten Realität. Das stellt der  Film in drei Handlungssträngen dar. Einer zeigt die Filmemacherinnen Annika Blendl und Leonie Stade, die einen Dokumentarfilm über ein Model und über eine Schauspielerin drehen. Das 17 Jahre alte Model Nina (Lida Freudenreich) hat gerade ihr Abi für die Chance auf einen Karrierestart in Mailand geschmissen. Dann ist da noch TV-Serienheldin Mareile. Die 42 Jahre alte Schauspielerin wird durch eine Jüngere ersetzt und muss sich am Provinztheater neu behaupten. Aber auch die Filmemacherinnen stoßen auf Hürden und machen sich die Hände schmutzig. Sie müssen sich entscheiden, ob sie sich für Geld korrumpieren lassen, um ihren Film zum Erfolg zu verhelfen.

Mareile Blendl FOTO: Man on Mars Filmproduktion. Foto: Man on Mars

„Es gibt viele dokumentarische Sequenzen, basierend auf wahren Begebenheiten, witzig und modern aufbereitet.“, sagt Mareile Blendl. „Der Film hat ein schnelles Tempo und  komische Momente, aber es bleibt ein bissiger Unterton.“ Mit den identischen Namen der Film­figuren habe man bewusst gespielt, sagt die Düsseldorferin. Zwischen ihr und dem Filmcharakter gibt es eine weitere Parallele:  sie spielen dieselbe Theaterrolle. „Um meinem 40. Geburtstag habe ich die Heilige Johanna von Orléans gespielt, die zu Beginn des Dramas 14 Jahre alt ist“, erzählt Mareile Blendl. Darauf hat sie ihre Schwester Annika Blendl, Regisseurin von „All I Never Wanted“, angerufen. „Ich habe ihr gesagt, dass die 40 doch nicht mehr so schlimm ist, weil ich das Rollenangebot für eine 14-Jährige bekommen habe. Da haben wir beide gelacht.“ Das Gespräch war die Initialzündung zur Idee zu „All I Never Wanted“. „Der Film zeigt, was uns in unserer Arbeitswelt bewegt.“

Eine Figur zu verkörpern, die eine ähnliche Biografie besitzt, „hat Mut erfordert“, sagt die Schauspielerin. „Weil ich zeige, wie es mir gehen könnte, wenn es darum geht, urteilenden Blicken ausgesetzt zu sein oder aussortiert zu werden.“ So gibt es im Film Szenen, die die Figur auf ihr Aussehen reduzieren. Das sei eine Herausforderung gewesen, habe aber auch Spaß gemacht, weil sie gerne für das Thema einstehe. „Es ist Realität, dass Frauen ab 40 in Film und Theater weniger stattfinden. Lange Zeit war sie fast unsichtbar, erst langsam taucht sie auf“, erläutert Mareile Blendl.

Das Drehbuch und die Filmentwicklung haben Annika Blendl und Leonie Stade übernommen. Beide sind freie Autorinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen. Als Schauspielerinnen haben die Schwestern Mareile und Annika Blendl schon zusammengearbeitet, bei „Soko Wismar“. Der aktuelle Film war die erste Zusammenarbeit der Geschwister als Schauspieler-Regisseur-Duo. „Das war toll und sehr angenehm“, sagt die Düsseldorferin. „Wir sind uns so nah, über vieles mussten wir gar nicht kommunizieren, da reichten manchmal schon ein Wort oder Blicke.“

„All I Never Wanted“ richte sich nicht nur an Models oder Schauspielerinnen, sondern auch an junge Menschen und an alle, die am Arbeitsleben teilnehmen, meint Mareile Blendl. „Der Aspekt der Selbstvermarktung betrifft inzwischen viele Berufe. Arbeit wird wertvoller, Arbeitsplätze werden weniger und die Anforderungen härter.“

Mareile Blendl wurde in München geboren, seit neun Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Düsseldorf. Nachdem sie sich anfangs an der Stadt gerieben hat, sei daraus mittlerweile „eine zarte Liebe“ geworden, wie sie sagt. „Hier treffe ich auf unterschiedliche Menschen und immer wieder auf die rheinische Frohnatur, was mir viel Spaß macht.“ Über ihre Erlebnisse in Düsseldorf schreibt die 43-Jährige auch auf ihrem Blog „maryreiligblog“. Am Samstag geht  es dann zur Premiere ins Bambi, Filmstart ist 19 Uhr. Im Anschluss an die Vorstellung gibt es ein Q&A mit dem Film-Team.