Düsseldorf: Premiere: Alles wollen und nichts

Düsseldorf : Premiere: Alles wollen und nichts

Heiner Liliencron ist in Babet Müller verknallt und Babet auch in Heiner, und das Schlimmste ist, sie haben das beide längst kapiert, aber sie trauen sich nicht. Sie sitzen nur angespannt bis in die Haarspitzen herum, nicht zu nah bei- und nicht zu weit weg voneinander, und sie bekommen nichts hin, gar nichts. Nicht mal einen Blick, erst recht keinen Kuss. Nach ein paar Sekunden, die minutenlang vergehen, steht Heiner auf und geht, und das war's. Das mit der Liebe ist eine wirklich verzwickte Sache.

Im FFT feierte nun die Düsseldorfer Theatergruppe Only ask Valery Premiere, das Stück heißt "Das Tierreich", aber es geht darin um junge Menschen in Klassenstärke. Es sind Sommerferien, es ist also die Zeit in der kurz einmal alles möglich scheint, wenn man die richtigen Freunde hat, gerade mal keinen Liebeskummer und nicht im Getränkemarkt Kisten schleppen muss, um das Taschengeld aufzubessern.

"Das Tierreich" ist ein Stück des Autorenduos Jakob Nolte und Michel Decar. Vor drei Jahren feierte der mit dem Berliner Brüder-Grimm-Preis ausgezeichnete Text Uraufführung am Schauspiel Leipzig. Es muss eine ziemlich überdrehte Vorstellung gewesen sein, war zu hören. Im FFT bringt Regisseur Michael Stieleke das Stück nun mit dem Krachbum einer Liveband und mit größter Nähe zur Lebenswelt seiner Darsteller auf die Bühne. Only ask Valery ist eine Gruppe junger Theaterbegeisterter, die im vergangenen Jahr ihre erste Inszenierung vorlegten. Nun sind sie zurück: elf Darsteller in 25 Rollen - und die Musik machen sie auch selbst.

In jeweils kurzen Szenen stellen sie die großen und kleinen Verunsicherungen aus, die es gibt, wenn man jung ist und auch nicht so richtig weiß, was man will. "I want do everything and I want to do nothing", sagt eine mal. Die Bühne haben sie mit zwei Podesten ausgestattet, mehr nicht. Auch als ein Kampfpanzer in die Schule kracht und ein Mädchen bei einem Unfall ein Bein verliert, sieht man davon nichts, nur von den Folgen. Jasper ist schuld, heißt es, der sei am Steuer eingenickt, habe man gehört.

So vergehen in knapp 70 Minuten sechs Wochen Sommerferien. Das Schönste sind dabei gar nicht die großen Katastrophen, sondern das Beiläufige, die kleinen Tragödien, so Leute wie Heiner und Babet, in denen man sich auch ein bisschen wiedererkennt.

Info Nächste Vorstellung: heute, 19 Uhr; morgen, 20 Uhr. FFT Kammerspiele, Jahnstraße 3. www.fft-duesseldorf.de

(kl)