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„Premier(s) Pas“ beim Düsseldorf-Festival im Theaterzeit am Burgplatz.

Spannende Premiere beim Düsseldorf-Festival : Mönche in der Maschinenhalle

Die Compagnie La Baraka präsentiert ihr eindrucksvolles Programm „Premier(s) Pas“ beim Düsseldorf-Festival im Theaterzelt am Burgplatz.

Französisch ist bekanntlich die Sprache des Tanzes. Auch heute noch werden in den Ballettschulen die Bewegungen, die Figuren, die Schwierigkeiten, mit französischen Begriffen bezeichnet. Die jungen Elevinnen und Eleven sind stolz darauf, sich in der eleganten Fachsprache, dem Jargon der perfekten Körperbeherrschung, austauschen zu können. Wenn daher eine Tanz-Compagnie aus dem Nachbarland, wie jetzt im Theaterzelt am Burgplatz, ihr Programm „Premier(s) Pas“ nennt, den ersten Schritt oder die ersten Schritte, dann sollte man dem Titel Beachtung schenken.

Mit dem in Klammern angedeuteten Plural setzt die Compagnie La Baraka eine sehr spezielle Situation und den noch spezielleren Kampf dagegen auch sprachlich ins Bild. Zum einen natürlich die desolate Lage, mit der seit Ausbruch der Pandemie alle freien Künstler zu kämpfen haben. In Frankreich weit mehr als hierzulande.

Zum anderen haben die Choreografen Nawal Lagraa Aït Benalla und Abou Lagraa ihre neun Tänzer aus einem Tal der Tränen geholt. Unterschiedlicher könnten sie kaum sein, die neun jungen Frauen und Männer. Körperliche und psychische Verwundungen („blessures“) sowie berufliches Scheitern haben bisher ihre Karrieren behindert. Sie sind, mit den Worten eines französischen Kritikers, „cabossés“, also „angeschrammt“.

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Genau die aber wünschten sich die beiden Leiter der Compagnie für ihr Projekt. Sie selbst haben das Scheitern mannigfach erlebt und wollten wenigstens einigen jungen Tänzern eine zweite Chance bieten. Über 700 Tänzer hatten sich für das Projekt „Premier(s) Pas“ beworben, das von der Rothschild-Stiftung großzügig gefördert wird. Trotz ihres Talents und Könnens hatten sie bisher nie ein Engagement gefunden.

Der nicht enden wollende Applaus des ersten Abends am Burgplatz belegt: Diese ersten Schritte sind überaus gelungen.  Zu Bachs Violinsonaten erlebt man im ersten Teil ein spirituelles Abenteuer. Wie asiatische Mönche in langen gelben Habits fügen  sich die Tänzer den nur bedingt strengen Vorgaben ihres Meisters Abou Lagraa. Der lässt zu, dass sie zeigen, woher sie kommen: aus dem Ballett, dem modernen Tanz oder vom Streetdance der Pariser Banlieue.

Nawal Lagraa ermöglicht ihnen im zweiten Teil, zur Musik von Olivier Innocenti nach Samuel Barbers „Agnus Dei“ ihre Talente aufeinander los zu jagen. Aus dem asiatischen Kloster ist eine Maschinenhalle geworden, mit Automatenmenschen, die sich raffiniert ihrer Zwänge entledigen. „Se débarrasser“ mag das Probenstichwort gewesen sein, „sich freimachen“.  Diese neun Tänzer haben sich grandios frei gemacht, sich ihrer bisherigen Hindernisse entledigt, und staunen nun glücklich, wenn das Düsseldorfer Publikum ihnen voller Begeisterung zujubelt.