Düsseldorf: Poesieschlachten im Geiste Europas

Düsseldorf: Poesieschlachten im Geiste Europas

430 Zuschauer und die Europaministerin hörten begeistert im NRW-Forum den Poetry Slammern zu.

Beim Dichterwettstreit "Poetry.Slam.Europa!" saßen, standen und hockten 430 Besucher im NRW Forum in drangvoller Enge beisammen. Fünf Kandidaten buhlten in zwei Runden mit selbst verfassten Sechs-Minuten-Texten um die Gunst der Jury und des Publikums. "Keine Verkleidung, kein Gesang, nur die Macht des gesprochenen Wortes", kündigte Moderator Bernard Hoffmeister, selbst ein bekannter Slammer, die Beiträge von lustig bis lyrisch an. Das Kulturzentrum Zakk hatte die Hoheit über den Poetry Slam. Diesmal jedoch war die Veranstaltung ins NRW Forum verlegt worden. Ein besonderer Rahmen für ein besonderes Thema: In der ersten Runde wurden die Texte im Anklang an die aktuelle Europa-Woche mit der europäischen Union verknüpft.

Eingeladen hatte neben "Pitcher Poetry Slam" und "Poesieschlacht" die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW, Angelica Schwall-Düren, die erwartungsvoll in der ersten Reihe Platz nahm. "Ich war noch nie bei einem Poetry Slam, so etwas gab es in meiner Schüler- und Studentenzeit noch nicht", sagte sie in ihrer Begrüßungsansprache. Erfreut habe sie vernommen, dass Düsseldorf, was Häufigkeit und Beliebtheit betrifft, im Ranking der Poetry Slams gleich nach Berlin kommt

Den Europa-Bezug hatte ihre Referentin Joyce Flock angeregt und sofort die Zustimmung der Ministerin gewonnen: "Mit dem Thema Europa umzugehen, ist im Moment nicht einfach", wandte Angelica Schwall-Düren ein.

"Kulturelle Vielfalt, Reichtum und Reisefreiheit erscheinen uns selbstverständlich, sind es aber nicht. Schön, dass sich heute Abend überwiegend junge Menschen wie Sie damit auseinandersetzen. Ich bin mir sicher, die Beiträge werden so vielfältig sein wie es auch Europa ist."

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Und so kam es dann auch. Als Erster ging der Düsseldorfer Helge Goldschläger an den Start. Er nahm die im Brüsseler Europa-Parlament abgelauschte verschwurbelte Sprache über eine merkwürdige Holzverordnung zum Anlass, das Märchen von "Hänsel und Gretel" höchst launig auf "Bürotisch" zu erzählen, gespickt mit Wortschrauben wie "Wohnverhältnisbeendigungsmaßnahme".

Florian Cieslik aus Frankfurt befand in "Eurotopia", die Familienidee sei gut, die Umsetzung mangelhaft. Sein Liebesgedicht "Wenn du lächelst" in Runde zwei widmete er Angela Merkel, die ja leider nie lächle. Appell des Poeten: "Sei keine traurige Raute mehr, Angela, sei ein verschmitzter Schmetterling." Der Bochumer Slammer Sebastian23 bekannte sich zu seinem Missverständnis bei der Einladung, über "Euer Opa" zu sprechen und amüsierte mit seiner ergötzlichen Aufforderung zu Widerspruch und Rebellion. Ernstere Töne schlug Sarah Bosetti aus Berlin in "Flummis für die Welt" an. Ganz still wurde es bei ihrem packenden, soghaften und dennoch witzigen Vortrag - das waren Gänsehaut-Momente.

David Friedrich aus Hamburg erntete viele Lacher für seine Abhandlung über Europas größtes Problem, den Schluckauf. Er wurde schließlich zu einem der beiden Finalisten gekürt. Mit ihm Sebastian23, der vor den Wortkaskaden in "Schwerkraft und Leichtsinn" den tristen Bahnhof seiner Heimatstadt aufs Korn genommen hatte: "Wenn Weltschmerz Theorie ist, ist der Bochumer Hauptbahnhof die Praxis."

Am Ende siegte David Friedrich mit grandios vorgetragenen Einblicken in sein Studium der Islamwissenschaften. Angelica Schwall-Düren war so begeistert wie alle anderen Zuhörer: "Unterhaltsam, spannend, sprachlich auf sehr hohem Niveau."

(RP)
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